Schon die alten Germanen
schmierten Butter auf ihr Brot


Wenn man die germanischen Sprachen vergleicht (Deutsch, Englisch, Niederländisch und die skandinavischen Sprachen - Schwedisch, Dänisch, Norwegisch und Isländisch, aber nicht Finnisch), dann sieht man bald, dass es viele Wörter gibt, die ähnlich aussehen und auch dieselbe Bedeutung haben. Zum Beispiel:

Deutsch Englisch Niederländisch Schwedisch
Milch milk melk mjölk
Haus house huis hus
Buch book boek bok

Diese Liste liesse sich nahezu beliebig lang fortsetzen. Die Ähnlichkeiten (der Konsonanten) stammen teils von einem gemeinsamen (urgermanischen) Stammwort ab, das schon existierte, bevor sich die einzelnen Sprachen entwickelten. Die Vokale dagegen wurden oft stärker verändert, wenngleich manchmal auch nur die schriftliche Form verschieden ist. Im Fall vom "u" in "Buch" sprechen zum Beispiel alle vier Sprachen den Vokal als "u" aus, auch wenn sie ihn anders schreiben.
Teils wurden Wörter aus anderen Sprachen (hauptsächlich Latein oder Griechisch) entlehnt und behielten nahezu dieselbe Form, auch wenn die Bedeutung des Ursprungswortes vielleicht nicht mehr ganz übereinstimmt.

Ursprung Bedeutung Deutsch Englisch Niederländisch Schwedisch
minister (lat) Diener Minister Minister Minister Minister
industria (lat) Fleiss Industrie industry industrie industri
Phobos (gr) Flucht, Panik Phobie phobia fobie fobi

Besonders interessant ist die Bedeutungswandlung bei Minister, was in Latein ja das genaue Gegenteil von heute bedeutete. Zwar sagte noch Kaiser Franz Joseph: "Ich bin der erste Diener meines Staates", aber ich frage mich, wieviele Minister sich heute noch als Diener betrachten ...

So weit so gut. Aber die Übereinstimmungen gelten nicht in allen Fällen. Sehen wir uns einmal folgendes Beispiel an:

Deutsch Englisch Niederländisch Schwedisch
Butter butter boter smör

Kennen die Schweden keine Butter? Nein, so schlimm ist es nicht, aber die Butter heisst bei ihnen eben "smör". Da erhebt sich die Frage, warum das so ist.
Das Schwedische hat ausserdem das Zeitwort "smörja", das "schmieren" bedeutet. Auch das Englische kennt "smear" in derselben Bedeutung und im Niederländischen heisst es "smeren". Aha, jetzt kommen wir der Sache schon näher. "Smör" bedeutete also ursprünglich das, was man (aufs Brot) schmierte, also "Schmiere" kurz und gut.
Tatsächlich gab es noch im Althochdeutschen das Wort "smero", das "Fett" oder "Talg" bezeichnete. Und wenn wir noch weiter zurückgehen, finden wir auch im Urgermanischen (bevor sich die einzelnen heutigen Sprachen entwickelten) dasselbe Wort, nämlich "smeoro".
Die nordischen Sprachen haben also das germanische Wort für Schmiere behalten. Dänisch und Norwegisch haben "smør", während Isländisch "smjör" schreibt.

Woher kommt dann die Butter?
Auch die Butter gibt es schon lange, im Altgermanischen kannte man schon die Form "butere", das über Latein "butyrum", aus dem Griechischen "boutyron" gekommen ist. Es ist vermutlich der Einfluss der Klöster und der Missionare, der um das Jahr 900 das Wort einführte.
Im Norden herrschten damals noch die Wikinger. Um diese Zeit kam wohl Ansgar, ein Missionar, nach Birka, der damaligen "Hauptstadt" Schwedens, aber schon kurze Zeit später waren von seiner Tätigkeit keine Spuren mehr zu erkennen.

Der römische Schriftsteller Plinius behauptete, dass die Griechen keine Butter kannten, sondern dass sie die Butter durch den Volksstamm der Skythen (im Nordosten Griechenlands lebend) kennen lernten. Da das Wort "boutyron" nicht sehr skythisch aussieht, glaubt man, dass die Griechen für die Butter ein eigenes Wort erfanden. Die Zusammensetzung von "bous = Rind" und "turos = "Käse" ist ja nicht allzu unglaublich.

Copyright Bernhard Kauntz, Västerås 2015



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