Die St. Martinskirche
in Saint-Valery-sur-Somme



Wie so viele andere Gebäude in Saint-Valery-sur-Somme und wie auch in der ganzen Picardie und Normandie, ist die St. Martins-Kirche von hellem Sandstein und dunklem Feuerstein erbaut, die viele verschiedene und komplexe Muster formen. Das Material gibt es entlang der Küste zum Ärmelkanal in Hülle und Fülle. Es verleiht den Gebäuden einen stabilen, aber ein wenig barschen Eindruck.
Die Kirche ist auf einer Klippe errichtet, die die modernen Teile des Ortes überragt und außerdem eine schöne Aussicht auf die Umgebung bietet. Niemand weiß, wann die allererste Kirche an dieser Stelle stand, aber schon im 12. Jahrhundert wird hier eine Kirche schriftlich erwähnt. Die heutige Kirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut, aber auf älteren Teilen der Mauern und des Fundaments angelegt. Sie wurde im November 1500 geweiht, seither wurde sie aber mehrmals restauriert und ausgebaut.
Das Auffälligste an dieser Kirche findet man jedoch in ihrem Inneren.
Sie besteht aus zwei parallelen und gleich großen Schiffen, die je einen Hochaltar besitzen. Die zwei Schiffe sind durch sieben Arkadenbögen getrennt. Die Basis der Arkadenpfeiler geht auf das 12. Jahrhundert zurück.
Wenn man die Kirche betritt, befindet man sich im sogenannten Chorschiff. Hier ist die Orgel eingebaut, die 880 Pfeifen besitzt, auf 13 Register verteilt, mit zwei Manualen und einem Pedal. Die Orgel wurde 1602 installiert, 1754 restauriert, aber seither mussten keine weiteren Reparaturen mehr vorgenommen werden.
Der Chor wurde 1768 in seinem heutigen Zustand errichtet.
Die hölzerne Christusfigur stammt aus dem 15. Jahrhundert, aber das Kreuz ist moderner Ausführung. Das Altarbild wurde von einem Schüler von Rubens gemalt und zeigt die Kreuzabnahme. Auf beiden Seiten des Bildes befindet sich eine Statue. Rechts steht St. Martin (aus dem 16. Jahrhundert), links eine Madonna mit Kind (aus dem 17. Jahrhundert). Natürlich dürfen ein paar Reliquien in vergoldeten Kästchen auch nicht fehlen. Sie gehören den Heiligen Blimond, Firmin beziehungsweise Theodosia. Vom Chorschiff weg geht auch eine kleine Kapelle, dem Heiligen Joseph gewidmet und 1874 renoviert. Heute ist sie zur Erinnerung an die lokalen Opfer der beiden Weltkriege umfunktioniert (im Bild unten links).

Vom anderen Schiff, dem Schiff der Jungfrau, ausgehend, findet man drei Kapellen von größerem Ausmaß. Die älteste davon, ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert, ist Petrus und seinem Bruder Andreas geweiht. Beide waren ja Fischer und die Kapelle wird Kapelle der Seefahrer genannt. Das ist in einem Fischerdorf durchaus zu erwarten. Die Fregatte, die vom Plafond herunterhängt, geht ins 17. Jahrhundert zurück und wurde nach dem Sonnenkönig, Ludwig XIV, getauft.
Die beiden anderen Kapellen sind die von St. Valery beziehungsweise die Kapelle der Taufbecken. In jener zeigt das Altarbild, wie St. Valery den heiligen Blimond heilt. Das Bild stammt aus dem 17. Jahrhundert. Auch hier gibt es ein Schiff, ein Schoner-Modell vom frühen 19. Jahrhundert. Die letzte Kapelle, 1581 errichtet, zeigt im Altarbild Paulus als Märtyrer. Die Kapelle ist aber det heiligen Agnes geweiht.
Wie früher erwähnt, wird dieses Schiff, von dem die Kapellen abzweigen, das Schiff der Jungfrau genannt, vermutlich wegen der Statue von "Maria mit Kind" über dem Altar. Über diesem Standbild befindet sich das Wappen der Stadt. Links von Altar steht noch ein Schiffsmodell und vor dem Chor findet man die Statue der "Schwarzen Jungfrau", die noch aus dem 16. Jahrhundert stammt. An der Wand gibt es vier Gemälde von einem Benediktinermönch, Dom Boutté, der sie im Jahr 1639 malte. Sie hängen zwischen den Kapellen und zeigen Episoden aus dem Leben von St. Valery.

Es ist eine kleine Dorfkirche, aber schon allein durch das ungewöhnliche Modell mit zwei Schiffen ist sie wert besucht zu werden. Natürlich ist das Kircheninnere nicht vergleichbar mit großen Kathedralen, aber nichtsdestoweniger sind authentische Dinge aus früheren Jahrhunderten zu sehen. Außerdem erfüllte die Kirche zweifelslos die Bedürfnisse der Bevölkerung eines Fischerdorfes und erbot ihr den nötigen Trost.

Bernhard Kauntz, Wolvertem, Belgien, 2012



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09.11.2012 by webmaster@werbeka.com