Die St. Martinskirche in Bled


Wenn man die Landschaft vom See her betrachtet, dann scheint die St. Martinskirche in Bled so klein und zierlich, fast unscheinbar zu sein, neben dem steilen Felsen, auf dem die Burg steht.
Kommt man jedoch näher, dann sieht man, dass sie gar nicht so klein ist, sondern immerhin mehr als 1000 Personen fasst. Sie hat aber auch ziemlich alte Traditionen - die erste Kirche wurde hier vermutlich schon in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts erbaut. Mit Sicherheit wissen wir, dass eine Kirche an diesem Ort 1247 schriftlich erwähnt wird. Der heilige Martin ist übrigens der Bischof von Tours in Frankreich, der im 4. Jahrhundert gelebt hat.
Die heutige Kirche ist erst gut 100 Jahre alt, ihre Vorgängerin wurde 1903 abgerissen. Leider hat man von ihr nur eine Steinstatue und zwei Fresken bewahrt, die heute im Nationalmuseum zu sehen sind. Der Wiener Architekt Friedrich von Schmidt (Slowenien war damals ja Teil des österreichischen Imperiums) entwarf die neue Kirche in neugotischem Stil. Er war auf diesem Gebiet eine führende Kraft, was auch das Rathaus in Wien zeigt, das ebenfalls von ihm stammt. Ausgeführt wurde sie von einem seiner Schüler, Josip Vancaš. Nur zwei Jahre nach dem Abriss der alten Kirche wurde die neue schon eingeweiht.
Die 15 schmalen Glasfenster wurden von Mitgliedern der Kirchengemeinde gesponsert, deshalb sind ihre Namen im unteren Teil der Fenster bewahrt. Alle Fenster zeigen Abbildungen von Heiligen. Hier im Bild rechts sehen wir Johannes den Täufer, der im zentralen Fenster der südlichen Kapelle dargestellt wird. Die Fenster über dem Hauptaltar zeigen in dem Mitte den heiligen Martin, der von den Aposteln Petrus und Paulus flankiert wird.
Der Hauptaltar wurde von Josip Vancaš entworfen. Er besteht aus fünf Nischen, dessen mittlere natürlich der Tabernakel ist. (Ein Tabernakel ist ein Schrein, in dem die Oblaten der Kommunion aufbewahrt werden.) Auf jeder Seite davon gibt es erst einen betenden Engel, während in den äußeren Nischen die Heiligen Cyril und Methodius gezeigt werden. Letztere sind auch die Patrone der Erzdiözese in Ljubljana.
Die Altäre in den seitlichen Kapellen haben einen ähnlichen Nischenaufbau wie der Hauptaltar. In der nördlichen Kapelle gibt es einen Herz-Jesu-Altar, während der südliche der Rosenkranzkönigin gewidmet ist. Dort ist auch das Taufbecken untergebracht.
Die Orgel wurde 1910 von Ivan Milavec aus Ljubljana gebaut. Sie ist an der hinteren Wand über dem Eingang untergebracht. Sie hat zweiunddreißig Register und zwei Manuale. Der riesige Kronleuchter in der Kirchenmitte stammt von Ivan Pengov Jr.
Hervorragend sind auch die vielen, großflächigen Fresken der Kirche. Sie wurden ab 1932 von Slavko Pengov, einem Bruder von Ivan Jr., gemalt. Viele von ihnen zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Martin. Im Bild rechts wird er nach seinem Tod in den Himmel aufgenommen. Im Bild links, über der Kanzel, spricht Paulus zu den Athenern.
Die Fresken in den Kapellen zeigen symbolisch das Vaterunser.
Rechts vom Eingang, an der Südseite der Kirche, entstand 1940 eine neue Kapelle, die der heiligen Therese von Lisieux zugeordnet ist. Stadtarchitekt Danilo Fürst konzipierte den Plan dafür. Die beiden Pfeiler zeigen alte, christliche Symbole und die Wände sind mit Terrakottaziegeln ausgelegt. Eine vergoldete Holzstatue der Heiligen steht über dem Altar und die Fresken - auch sie von Slavko Pengov gemalt - zeigen Szenen aus ihrem kurzen Leben.


Bernhard Kauntz, Wolvertem 2012



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