SCHLOSS AMBOISE


Amboise war schon zur Keltenzeit die Hauptstadt der Turonen, nach denen heute noch die Provinz Touraine ihren Namen trägt. Im Jahr 1214 nahm der König von Frankreich, Philipp-August die Touraine ein und vergab Amboise als Lehen. 1431 wurde Ludwig von Amboise einer Verschwörung beschuldigt und zum Tod verurteilt. Er wurde zwar später begnadigt, aber sein Schloss war konfisziert worden. König Karl VII brachte hier seine Freischützen unter. Als Ludwig XI nach ihm die Krone erbte, machte er Amboise zu seinem Wohnsitz. Das geschah 1461, als der Hundertjährige Krieg vor einem knappen Jahrzehnt zu Ende gegangen war.
Die Schlösser waren alle noch Verteidigungsanlagen des Mittelalters, die Ludwig noch verstärkte. Aber er gab auch andere Arbeiten in Auftrag, um seiner Familie ein standesgemäßes Schloss bieten zu können. Karl VIII wurde hier geboren und war seinem Geburtsort auch verbunden, als er später König war - obwohl sein Vater einen eher spartanischen Lebensstil vorgezogen hatte. Karl ließ nun einen Flügel an das Schloss anbauen, sowie die St. Hubertus-Kapelle errichten. Hubertus ist der Schutzheilige der Jäger. Leider verunglückte Karl VIII im Alter von nur 28 Jahren, als er mit dem Kopf gegen den Querbalken einer Tür stieß, was ihn ein paar Stunden später das Leben kostete.

Links sind die Dachfenster noch gotisch, im rechten Flügel schon von der Renaissance inspiriert.
Sein Nachfolger, Ludwig XII, gab noch einen Flügel in Auftrag, verlor aber das Interesse und ließ in Blois weiterbauen. Der nächste König, Franz I, ließ diesen Flügel zwar fertig bauen, hatte sein großes Interesse aber dem Bau von Chambord gewidmet. An den beiden Flügeln kann man auch den architektonischen Stilwechsel nachvollziehen. Während der Flügel von Karl VIII noch spätgotisch erbaut wurde, ist der nächste Flügel schon von der Renaissance inspiriert. Franz I holte auch Leonardo da Vinci und schenkte ihm das Chateau du Clos Lucé, ein paar hundert Meter von Schloss Amboise entfernt.
Das Universalgenie verbrachte die letzten paar Jahre vor seinem Tod in Frankreich und wünschte in der Schlosskapelle von Amboise begraben zu werden.

Der Tumult von Amboise im Jahr 1560 war das erste Anzeichen für die kommenden Religionskriege, als die Protestanten versuchten, den jungen König, Franz II, zu entführen. Der Aufstand wurde jedoch äußert blutig niedergeschlagen.
Franz II starb mit nur 16 Jahren an den Folgen einer Ohrenentzündung. Dennoch war er schon zwei Jahre lang verheiratet - mit einer anderen tragischen Figur der Geschichte, nämlich Maria Stuart. Die beiden wurden schon für einander bestimmt, als Franz 4 Jahre alt war. Der Hintergedanke war natürlich, dass Frankreich dadurch zuerst den schottischen Thron erwerben würde und als Folge danach auch Anspruch auf den Thron von England hätte.
Doch zurück zur Geschichte des Schlosses. Im 17. Jhd. diente es als Gefängnis, dann gab es Ludwig XV an Choiseul weiter, den Favoriten der Madame de Pompadour. Ludwig XVI kaufte es zurück aber verkaufte es wieder, sodass das Schloss auf Umwegen wieder in den Besitz des Hauses Orléans kam, dessen Eigentümer es heute noch ist.
Wenn man sich bei einem Besuch des Schlosses, vom südlich gelegenen Parkplatz aus nähert, sieht man zunächst den stabilen Heurtault-Turm, der einem die ganze Wehrkraft des Schlosses anschaulich macht. Um zum Eingang zu gelangen muss man eine lange Rampe hinaufgehen, weil das Schloss ja auf einer Klippe erbaut ist. Der erste Anblick ist dann die Hubertus-Kapelle, beim zweiten fallen die großen Grünflächen zwischen den Gebäudeteilen auf.
Eine Büste von da Vinci nimmt den zentralen Teil des Parks ein, dahinter kann man noch die zu Kugeln geschnittenen Buchsbaumsträucher sehen, sowie die alte Festungsmauer, die auf der Ostseite schon sehr baufällig ist. Gegen Norden jedoch fällt die Mauer steil zur Loire ab und man hat einen schönen Blick zur Brücke, die zum nördlichen Teil der Stadt führt.

   

Beim Rundgang durch das Schloss soll der Besucher Pfeilen folgen, was nicht nur einfach ist, sondern auch sehr praktisch, weil auf diese Art viel weniger Gedränge entsteht. Ich habe sogar gesehen, dass eine Aufsicht jemand beim Zurückgehen nicht durchgelassen hat, was ja dem Sinn der Richtungspfeile entspricht. Die Besichtigungserklärung, die man beim Eintritt erhält, ist außerdem sehr ausführlich und erklärt nicht nur, um welche Säle es sich handelt, sondern auch sonstige Ausstellungsgegenstände, sowie die ungefähre Entstehungszeit der Möbel.

Die Führung beginnt im gotischen Teil des Schlosses und zwar im Wachsaal. Er hat ein Kreuzrippengewölbe und beinhaltet auch eine Sammlung von Schwertern, Schildern und Hellebarden, sowie eine Rüstung aus dem 16. Jahrhundert. Auch die Truhen und der Speisetisch stammen aus dieser Zeit. Dieser Raum diente natürlich vor allem der Kontrolle, denn wahrlich nicht jeder hatte Zugang zu den königlichen Gemächern.
Über einen Wehrgang, von dem aus man die Loire überwachen konnte, kommt man zum Saal der adeligen Garde. Der Raum, ebenfalls mit Kreuzrippengewölbe wird von einer Zentralsäule getragen. Dies war die zweite Kontrollstation, denn von hier aus gelangt man in die obere Etage - in die Privaträume des Herrschers.
Da hatte der König zunächst seinen Ausstattungsraum, wo nicht verwendetes Mobilar abgestellt wurde. Denn der Hof war damals nicht sesshaft, sondern zog von Schloss zu Schloss - und meist nahm man das Mobilar auch mit.

Im Saal der Trommler befindet sich ein gotischer Hochsitz (Stuhl) mit den Wappen des Kardinals Georges von Amboise, der vor einem guten halben Jahrtausend König Karl VIII mit Anna von Bretagne vermählt hat. Klar, dass solche Schätze nicht gerade wie ein IKEA-Möbel behandelt wurden. An der Wand hängt hier eine flämische Tapisserie, die ein Ereignis zeigt, das noch weitere siebzehnhundert Jahre zurückliegt. Das Bild zeigt, wie die Frau und die Tochter des persischen Königs Darius Alexander den Großen bitten, den König zu verschonen.

Der Ratssaal, der größte Saal des Schlosses, wurde durch zwei Kamine beheizt, von denen einer gotisch ist, während der andere schon im Renaissancestil eingebaut wurde. Die Wohngemächer des Königs sind ebenfalls im Renaissancestil eingerichtet. Im folgenden Mundschenksaal sieht man statt den gotischen Eichentischen bereits italienische Tische, die man nach Belieben ausziehen und damit verlängern konnte. Außerdem kam während der Renaissance beim Essen die Gabel in Verwendung, auch wenn sie noch nicht sehr gebräuchlich war.
Über weitere Renaissance-Zimmer, wie dem Schlafgemach von Heinrich II und dem Franziskaner-Vorzimmer kommt man in die Wohngemächer von Ludwig-Philipp.

Ludwig-Philipp wurde im Jahr 1830 König, aber um Streitigkeiten um die Thronfolge zu vermeiden, wurde er nicht König von Frankreich, sondern König der Franzosen. Interessanterweise waren es die Bourbonen, die sich untereinander die Königswürde streitig machten. Als Karl X 1830 abdankte, tat es es eigentlich, um seinen Enkel, Heinrich von Chambord, auf den Thron zu verhelfen, da dieser aus der älteren Linie der Bourbonen stammte. Aber Ludwig-Philipp stützte die liberalen Ideen dieser Zeit und bekam dadurch auch die Unterstützung des Volkes. Bevor er noch König wurde, hinterließ er jedoch Kinder in ganz Europa, von Nordfinnland, bis nach Italien. Ob das mit den liberalen Ideen zusammenhing ...?
Das Musikzimmer von Ludwig-Philipp

Aus den Sälen Ludwig-Philipps ist auch noch ein Gemälde zu erwähnen, das die Herzogin von Mecklenburg-Schwerin darstellt. Sie war die Gemahlin von Herzog Ferdinand-Philipp von Orléans, der seinerseits der Sohn von Ludwig-Philipp war. Kurz gesagt, sie war die Schwiegertochter des Königs, mit dem Grafen von Paris, dem Enkel des Königs, auf dem Arm. Sie war es, die die deutsche Tradition des Weihnachtsbaumes in Frankreich einführte.

Abd el Kader, Emir von Mascara, ergab sich bei der französischen Unterwerfung von Algerien im Jahr 1847 und wurde danach auf das Schloss Amboise geführt, wo er vier Jahre lang in Gefangenschaft leben musste. Nun sollte man sich die Gefangenschaft aber nicht so schlimm vorstellen - er durfte immerhin 80 Gefolgsleute auf das Schloss mitnehmen ... Damit war auch das bisher letzte Kapitel in der Schlossgeschichte geschrieben.


Bernhard Kauntz, Wolvertem 2008



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last update: 11.5.2008 by webmaster@werbeka.com