.

DIE KIRCHE IN ÄNGSÖ


Die Kirche von Ängsö liegt am weitesten östlich von den Kirchen der Gemeinde von Västerås, auf einer Insel mit demselben Namen. Ihre Geschichte unterscheidet sich ein wenig von der der anderen Kirchen, weil sie immer stark mit Schloss Engsö verbunden war, wo man früher sogar das Recht hatte, selbst den Pfarrer zu bestellen.
Nils Abjörnsson, der damalige Besitzer des Gutes von Engsö, ließ um 1340 die Kirche erbauen. Möglicherweise ersetzte sie damals eine Kapelle aus früherer Zeit. Die Kirche ist in ihrer ursprünglichen Form erhalten, abgesehen davon, dass im 18. Jhd. zwei Anbauten dazukamen. Teils war dies der Ausbau der Apsis um 1730, teils der Kirchturm im Westen, der 1744 fertiggestellt wurde. Als der Turm stand, riss man den früheren, frei stehenden Glockenturm nieder. Auch der Bau der Friedhofsmauer ist im 18. Jhd. erfolgt. In der Kirche mit dem kreuzförmigen Grundriss hatte man schon im 17. Jhd. den südlichen Kreuzarm geöffnet und durch Bögen mit dem Hauptschiff verbunden. Obwohl die Kirche von Ängsö immer eine Kirche für die Allgemeinheit war, ist sie doch von Anfang an eher eine Schlosskirche mit starkem privaten Einfluss. Die Tür zur Sakristei aus dem 14. Jhd. wird heute noch von einem gemalten Wappen geschmückt, nämlich dem des Gründers, Nils Abjörnsson, einem roten Sporn auf gelbem Untergrund.

Auch die Malereien an den Wänden und an der Decke sind noch die ursprünglichen, aus dem 14. Jhd. Natürlich sind sie heute verblichen und durch Übermalungen verletzt worden, aber sie sind immer noch deutlich genug, um erkennen zu lassen, was sie darstellen sollen. Die Bilder an der Decke schildern teils Erzählungen aus dem ersten Buch Mose, teils Episoden aus Christi Kindheit und schließlich Szenen aus der Passionsgeschichte.

 

Die Malereien an der Nordwand zeigen Szenen aus dem Leben von Christus, während die an der Südseite verschiedene Heilige darstellen, nicht zuletzt heilige Ritter, St. Georg und St. Martin. Im Westen, beim Eingang, gibt es an der Decke Bilder von verschiedenen Familienwappen - teils die des Gründerpaares, teils das von König Magnus Eriksson aus dem Folkungageschlecht, sowie das seiner Gattin. Nicht zuletzt gibt es aber auch noch ein Wappen mit drei Kronen, das es, laut den Historikern, zu dieser Zeit eigentlich noch gar nicht geben dürfte.

Die innere Gestaltung der Kirche ist einfach, aber stilvoll. Die meiste Einrichtung stammt aus dem 18. Jhd., aber es gibt ein Taufbecken aus dem 13. Jhd., dessen Ursprung jedoch unklar ist. Auch die Kanzel ist älteren Datums, sie wurde 1628 der Kirche geschenkt.
1815 wurde die Kanzel "modernisiert", wobei man die Mehrzahl der Ornamente entfernte. Zwei kleinere Ölgemälde hängen vorne beim Altar an je einer Seitenwand. Eines stellt die Taufe Christi im Fluss Jordan dar, das andere Christus am Kreuz.
Der Altaraufbau ist von Johan Jerling aus dem Jahr 1736 und verdeckt das dahinterliegende Grabmal. Die Orgel wurde 1781 von O Schwan aus Stockholm erbaut. Auch wenn sie in späteren Jahrhunderten kleinere Veränderungen über sich ergehen lassen musste, ist sie heute noch eine der besten Orgeln des Landes aus dem 18. Jhd. Zusammen mit dem Einbau der Orgel wurden die jetzigen beiden Seitenbalkons gestaltet. Die Kirchenbänke stammen aus dem Jahr 1803.
Die große Glocke von H Lind aus Stockholm wurde 1715 gegossen, die kleine erst 1909. Letztere ersetzte zwei kleinere Glocken aus dem 14. Jhd., wovon eine eine Kriegsbeute aus Polen gewesen sein soll.
Graf Carl Fredrik Piper und seine Mutter Christina, geborene Törnflycht, hatten im 18. Jhd. entscheidenden Einfluss auf den Umbau und die Einrichtung der Kirche. Es war auch Carl Fredrik, der die Marmorsarkophage seiner Eltern in der Apsis aufstellen ließ.
Dort hängt auch das große Begräbniswappen seines Vaters, Carl Piper, der bei König Carl XII Ratgeber gewesen und 1715 in russischer Gefangenschaft gestorben war.
Im südlichen Kreuzarm werden außerdem viele Begräbniswappen der Familie Sparre aufbewahrt, die das Gut Engsö im 17. Jhd. besessen hatte. Ein anderes Wappen, das dort hängt, ist das der Brita Bååt - einer Frau, die die Urheberin einer interessanten Geschichte ist.
Einmal, als sie zu Weihnachten zu der Morgenmette gehen wollte, beauftragte sie ihre Bediensteten, sie zur rechten Zeit zu wecken. Während der Nacht erwachte sie doch selbst, sah aus dem Fenster und merkte, dass es aus den Kirchenfenstern leuchtete.

Verärgert nahm sie an, dass man vergessen hatte, sie zu wecken, und beeilte sich, um noch rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen. Auf dem Weg zur Kirche traf sie den Geist ihrer alten, lang verstorbenen Amme, die aussah, als ob sie sie warnen wollte. Aber Brita ging weiter und sah, als sie näher kam, dass das Licht in den Fenstern seltsam bleichgrün wirkte. Trotz bösen Vorahnungen setzte sie ihren Weg fort. Aber als sie die Kirchentür öffnete, sah sie, dass in den Bänken nur Skelette saßen, die knochigen Hände zum Gebet verschränkt. Gleichzeitig schossen ihr die Gespenster ihrer beiden verstorbenen Männer entgegen. Sie versuchte, aus der Kirche zu fliehen, aber der eine hieb mit seinem Degen nach ihr. Er riss jedoch nur einen Fetzen ihres Schleiers weg. Dieser Fetzen und der Degen sind heute noch an ihrem Wappen angebracht. Das zweite Gespenst aber warf einen Stein nach ihr, sodass sie vor der Kirchenstiege bewusstlos zusammenbrach. Dieser Stein, Blutstein genannt, ist heute in die Kirchenwand eingemauert. Brita wurde am Morgen gefunden, aber drei Tage später war sie tot. (Vermutlich nicht durch den Steinwurf, sondern dadurch, dass sie so lange in der Kälte gelegen war.)
Diese Geschichte beinhaltet jedoch ein Problem, nämlich dass Brita nur einmal verheiratet gewesen war, mit Arvid Posse. Dieser war ein Schwesternsohn von Elsa Trolle, von der er Engsö geerbt hatte. Es ist möglich, dass die Erzählung ursprünglich Elsa Trolle galt, die kinderlos starb, nachdem sie dreimal verheiratet war.

Genau unter dem Wappen von Brita Bååt liegt der Trollstein, auch er mit einer Erzählung verbunden. Die Menschen auf dem anliegenden Bauernhof Ryssbo schienen vom Unglück verfolgt zu sein. Sie selbst und ihre Tiere waren dauernd krank oder Unfällen ausgesetzt, Missernten auf den Äckern war nahezu die Regel, auch wenn angrenzende Felder gute Ernte trugen - kurz gesagt, ihr Leben war alles andere als glücklich. Sie glaubten, dass der Grund dafür ein runder, grauer Stein war, ein Trollstein, der in einer Senke, nicht weit vom Hof entfernt lag. Doch niemand wagte es, ihn zu berühren, weil doch nachher sicher alles noch schlimmer werden würde.
Eines Tages hatte man jedoch die Nase voll. Man fasste Mut, hob den Stein in ein Ruderboot, fuhr hinaus auf den Mälarsee und versenkte ihn im Wasser. Tags darauf fand man den Stein allerdings wieder an seinem alten Platz. Als letzten Ausweg verfrachtete man ihn in die Kirche, um dessen Zauberkraft in einem geweihten Raum zu binden. Dort ist er nun ein paar Jahrhunderte lang gelegen. Man sagt, dass der, der den Stein dort wegnimmt, oder ihn sogar nur angreift innerhalb von kurzer Zeit von einem ernsten Unglück befallen wird.

Nun, ich verspürte keine größere Lust, den Stein anzugreifen, auch wenn ich nicht allzu abergläubisch bin. Und jeder meiner Leser, der darüber lächelt, kann selbst nach Ängsö in die Kirche fahren und dort sein (Un)glück probieren ...

Aber um von profanen Sagen wieder zur Kirche zurückzukehren, so gibt es im südlichen Kreuzarm noch eine Sehenswürdigkeit. Es ist dies ein Heiligenschrein mit der St. Anna, der Mutter Jungfrau Marias, mit ihrem Kind und ihrem Enkel im Schoß. Die Schranktüren zeigen weitere vier heilige Frauen, nämlich Katharina von Alexandria und Dorothea linker Hand, während Maria Magdalena und Barbara am rechten Torflügel abgebildet sind. Der Schrein stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jhd. und ist das einzige Kunstwerk aus dem Mittelalter, das der Kirche erhalten blieb.


Bernhard Kauntz 2005



Zurück zu den oder zum von
last update: 3.7.2005 by webmaster@werbeka.com