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DIE KIRCHE IN DINGTUNA

Bernhard Kauntz, 1998


Dingtuna liegt gleich außerhalb des Stadtgebietes von Västerås, in westlicher Richtung, an der alten Straße nach Köping/Eskilstuna.
Die Kirche, die auf der "anderen Seite" von Straße und Eisenbahn liegt, hat eine sehr alte Geschichte. Das heutige Gebäude geht bis ins 14 Jh. zurück, aber man weiß, dass schon zweihundert Jahre früher eine Kirche im romanischen Baustil an dieser Stelle gestanden ist. Außerdem können verkohlte Reste von bearbeiteten Stöcken auf eine noch ältere Holzkirche schließen lassen.
Der heutige Kirchenraum misst 31,7 mal 13,2 Meter, was genau den Maßen entspricht, in welchen die Kirche im 14. Jh. erbaut worden ist. Im 15. Jh. wurde der Kirchturm fertiggestellt und inseitig wurden Ziegelgewölbe zur Verstärkung errichtet. Im 18. Jh. war die Kirche, wie so viele andere auch, stark verfallen, ja 1735 musste man sogar das herabgefallene (westliche) Gewölbe neu errichten. In den folgenden Jahren wurde aber eine allgemeine Verschönerung der Kirche durchgeführt.
Die nächste Restaurierung, 1898, wurde von Erik Hahr geleitet, der in Dingtuna geboren, aber der durch seine Schaffenskraft als Stadtarchitekt in Västerås zu großer Berühmtheit gelangt ist.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit in der Kirche von Dingtuna sind ohne Zweifel die Wandmalereien aus dem 15. Jh. Sie sind frühe Arbeiten von Albertus Pictor, einem der meist bekannten Kirchendekorateure seiner Zeit. Natürlich betrieb Albert, wie alle großen Meister, eine Malerwerkstatt, deshalb weiß man nicht, wieviel er selbst zur Ausstattung beitrug. Aber andererseits geschah dies ja ziemlich am Anfang seiner Laufbahn, sodass er vielleicht noch nicht so viele Gehilfen hatte.
Auf den hier gezeigten Bildern (vom südlichen Teil des Gewölbes) sieht man Johannes den Täufer und den heiligen Antonius, sowie darunter links Marias Begräbnis, wo die Aposteln ihre Bahre tragen. Unten rechts sieht man die Seefahrt des St. Olof. Die Kirche von Dingtuna hatte auch ganz richtig Jungfrau Maria und St. Olof als Schutzheilige.
All dies geschah ja vor der Zeit des Gustav Vasa und der Reformation, also in einem noch immer katholischen Land. Daher darf es auch nicht verwundern, dass die Malereien 1649 ganz einfach überstrichen wurden, als die Kirche neu ausgemalt wurde. Bei der Restaurierung im Jahr 1898, wusch man jedoch die Tünche wieder ab, legte die Malereien frei und versuchte, so gut es möglich war, sie in ihrer ursprünglichen Form wiederherzustellen. Dass man dabei die Leuchtkraft der Farben unterschätzte, sah man durch einen glücklichen Zufall bei der nächsten Restaurierung, die 1968 durchgeführt wurde.

Da fand man nämlich hinter der Kanzel ein Originalgemälde von St. Michael und dem Drachen, das nie übertüncht, sondern nur von der Rückseite der Kanzel verdeckt worden war. Dieser Glücksfall kommt daher, dass der Vorgänger der heutigen Kanzel im Jahr 1646 installiert wurde, also gerade drei Jahre vor der Neuausmalung der Kirche. 1788 wurde diese Kanzel vom heutigen Modell ersetzt, das von einem "Mann aus Dahlecarlia, aus der Gemeinde von Mora" gezimmert und von P Hedendahl aus Säter bemalt worden war.

Einer der neuesten Zugänge der Kirche ist die Orgel von 1978. Die Fassade dazu wurde allerdings schon 1898 von Erik Hahr gezeichnet. Auch die zwei Glocken im Turm stammen aus dem Jahr 1898, als man aber leider auch die älteren Glocken einschmolz.
Seit 1990 sitzen im Zeughaus vier Tafeln an der Wand, auf denen die Namen aller Pfarrer, Kirchenältesten, Organisten und Kantoren, die je hier tätig waren, angegeben sind. Das ist nicht nur originell, sondern verankert gleichzeitig die heutige Kirche in ihrer mehr als 600 Jahre alten Geschichte.


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