SCHLOSS GRIPSHOLM

Bernhard Kauntz, 1999


Ansicht vom Strand in Mariefred

Das Schloss Gripsholm ist eines von zehn königlichen Schlössern in Schweden. Es liegt in Mariefred in Södermanland, ca. 100 km südöstlich von Västerås. Seine ältesten Teile stammen aus den Vierzigerjahren des 16. Jh., aber das Schloss wurde mehrmals aus- und umgebaut. Seit 1822 befindet sich die nationale Portraitsammlung Schwedens im Schloss, die heute über 4000 Werke umfasst.

Der Eingang des Schlosses vom Schlosshof her

Die äußere Form des Schlosses mit seinen runden Türmen hat mir immer gefallen, weil sie dem Gebäude einen ganz besonderen Prägel gibt. Um heute das beste Blickfeld zu bekommen, muss man das Schloss aber vom Strand in Mariefred betrachten.
Trotz meiner Aversion gegen Eintrittsabgaben zu kulturellen Stätten, finde ich, dass die 50 Kronen hier kein zu hoher Preis sind. Dass Kinder dagegen den halben Betrag zahlen sollen, ist nicht zufriedenstellend. Dieses Gebäude, vor allen anderen, ist nämlich eine Lektion in Geschichte, allerersten Ranges. Deshalb sollte es keineswegs den Bildungsbedarf der Kinder beeinträchtigen und schon gar nicht die Kinder auch nur auf die Idee bringen, den Eintrittspreis mit dem einer Portion Eis zu vergleichen.
Eines der vielen Zimmer, in denen das Gedächtnis ertrinkt

Schon im Eingangsraum, wo sich viele Besucher an der Kassa drängen, hängt ein Riesengemälde von Ehrenstrahl, das eines von Karl XI Pferden zeigt. Nun ist das ja sicherlich nicht direkt das, was wir uns unter Portrait vorstellen, aber in Anbetracht dessen, dass die einheimische Portraitmalerei im Prinzip mit diesem Mann begann, mag dies eine Erklärung sein.
Das Schwierige an Gripsholm ist, dass man sich auf zwei, oder noch besser auf drei Dinge gleichzeitig konzentrieren muss. Klarerweise ist das Schloss als solches interessant, das heißt, wie und von wem es wann bewohnt wurde, seine Einrichtung und Ausstattung, usw. Zweitens aber verlangen die Portraits, die Hauptattraktion, ungeteilte Aufmerksamkeit und drittens würde man sich ja auch gern ein Bild über die Maler der Bilder machen. Viertens schließlich geben die meisten Bilder Anlass zu irgendeiner geschichtlichen Ausschweifung, was den Gesamteindruck nochmals kompliziert.
Die Uhr in der Wohnung der Prinzessin ist auch schon 200 Jahre alt

Es gibt jedoch ein paar Übersichtshilfen. Teils sind die Zimmer nummeriert, teils folgen die Räume ziemlich genau einem allgemeinen zeitlichen Aufbau. Im Eingangsstockwerk hängen vor allem die Bilder aus dem 16. und 17. Jh. (von Gustav Vasa bis Karl XII) und man hat sich auch bemüht, diese Räume zeitgemäß zu installieren. Logischerweise ist daher die Möblierung nicht so ausgeprägt, sondern man kann vor allem Wandverkleidungen und Ähnliches betrachten.
Im nächsten Stockwerk findet man den Reichssaal, den größten Raum des Schlosses und die großformatigen Bilder zeigen europäische Regenten, die zur geleichen Zeit wie Gustav Vasa lebten.
Der grüne Salon in der Wohnung der Königin

Der Rest des zweiten Stockwerks ist vor allem mit Möbeln aus dem 18 Jh. eingerichtet, nicht zuletzt, weil der größte Teil dieser Etage von Gustav III und seiner Gemahlin Sofia Magdalena bewohnt wurden. Noch ein paar Räume, die Wohnung der Prinzessin, waren für die Schwester des Königs, Sofia Albertina, abgesehen. Die Möbel hier sind wahrlich nicht von schlechten Eltern, ob es jetzt um Kommoden von Haupt oder Hultsten geht, um die original chinesischen Seidentapeten oder um Spiegel von Meunier.

Die Gemälde, die größtenteils auch aus dem 18. Jh. sind, geben jede Menge Anlass zu weiteren Gedanken, da die Portraits dieser Zeit auch Konterfais wiedergibt, die nicht dem politischen Leben angehören, sondern Verfassern, Wissenschaftern, etc.
Im weißen Salon des Königs finden sich dagegen wieder die Potentaten Europas, diesmal Zeitgenossen von Gustav III. Unter Friedrich II von Preußen, Katerina II von Russland, Georg III von England und Ludvig XV von Frankreich finde ich hier auch meine eigenen Landsleute, Maria Theresia und Joseph II von Österreich. Die großen Portraits zwischen den gigantischen Fensternischen in diesem aufwendig eingerichteten Zimmer hinterlassen wirklich einen bleibenden Eindruck.

Eines der vielen Gästezimmer im dritten Stock

Dieser Eindruck wird dennoch stark überschattet, wenn man das Theater von Gustav III betritt, was geschieht, wenn man den Stiegen aufwärts folgt. Diese Schöpfung zu beschreiben ist schwer und sogar ein Bild würde diesem Kulturschatz nicht gerecht werden können. Mich fasziniert es, zu sehen, wie man das Tageslicht verwenden kann, um auf der Bühne einen natürlichen Lichteinfall inszenieren zu können, aber auch die griechieschen Säulen, die die Gedanken zum Ursprung des Theaters führen, sind imponierend.

Ein Teil des Wehrganges

Der Rest des dritten Srockwerks wird von weniger wichtigen Zimmern ausgefüllt, viele davon wurden als Gästezimmer verwendet und wurden mit Dingen möbliert, die anderswo übergeblieben waren. Beim Umbau 1890 wurden einige der Gästezimmer, die ursprünglich von Gustav III erschaffen wurden, vom äußeren zum inneren Teil des Schlosses verlegt, sodass man auf diese Art einen Wehrgang um alle vier Seiten des Schlosses schuf. Folgt man diesem im Uhrzeigersinn findet man zuerst Portraits aus dem 19. Jh. in mehr oder weniger chronologischer Folge. Beim Umbau erschuf man auch den großen Galeriesaal, der eine ganze Länge des Stockwerks in Anspruch nimmt. Er wird dazu verwendet, Gruppenportraits zu zeigen, vom späten 17. Jh. bis heute.
Und überall hängen Bilder

Folgt man dem Wehrgang im dritten Stock, kommt man schließlich zu den drei Zimmern, die Herzog Fredrik Adolf bewohnte. Die Portraits, die hier gezeigt werden, sind nun aus dem 20. Jh. bis zu unseren Tagen. Und es ist gleichzeitig nahezu unmöglich geworden, einen Überblick zu behalten; die Eindrücke sind viel zu viele für einen einzigen Besuch. Auch die künstlerische Form der Gestaltung der Portraits ist moderner geworden, was immer das auch mit sich führt.

Ein Selbstportrait

Sicher, es gibt viele gute Bilder unter den modernen Malereien, hier ist eines, das mir gefällt, auch wenn ich vergessen habe, wie der Künstler hieß. Aber hier hängt auch viel, was die Zeit ausmustern wird, worüber die Nachwelt auch keine Tränen zu vergießen braucht. Das interessante an der Malerei, wie auch an der Literatur und der Musik ist ja eben, dass sie selbstsanierend sind. Nur das Beste besteht, auch wenn dies leider oft bedeutet, dass den Urhebern ihre Ehre nicht unter ihrer Lebenszeit bezeugt wird. Da sind es meist die, die sich am besten verkaufen können, die den Löwenanteil davon ergattern. Das kommt natürlich letztendlich daher, dass der Markt - die Kunden - ungenügend Kenntnisse haben. Gerade deshalb ist es wichtig, dass es Plätze wie Schloss Gripsholm gibt und dass sie der Allgemeinheit offen stehen.
Einer der neuesten Zugänge

Über die Haupttreppe kommt man jetzt zurück zum esten Geschoß, wo teils Bilder hängen, die Personen ausländischer Herkunft zeigen, aber wo auch Prominente der allerneuesten Zeitgeschichte ihren Platz haben. Hier gibt es mehrere Obmänner politischer Parteien, Olof Palme ist einer der letzten, aber ich kann mich auch an den Fußballer Gunnar Nordahl erinnern, wie auch an Leute von der Unterhaltungsbranche.
Während der Wanderung durch das Schloss sind einige unterhaltsame Stunden verflossen, ich kann einen Besuch von ganzem Herzen empfehlen, oder noch besser, mehr als einen Besuch. Und wenn man das Schloss durch den Kassenraum wieder verlässt, winkt auch die ganze königliche Familie auf einem großen Gruppenportrait ein herzliches "Auf Wiedersehen".


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last update: 28.7.1999 by webmaster@werbeka.com