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SCHLOSS STRÖMSHOLM

Bernhard Kauntz, 1998


Strömsholm liegt etwa 20 km südwestlich von Västerås und ist vor allem durch seine Reitschule und sein tierärztliches Krankenhaus bekannt.
Das Schloss Strömsholm ist eines von acht Schlössern im Staatsbesitz, das aber der königlichen Familie zur Verfügung steht. Gustav Vasa ließ Mitte des 16. Jh. an diesem Ort das erste "befestigte Haus" errichten. 1669 wurde das jetztige Schloss im Auftrag der Königin Hedvig Eleonora erbaut. Die Zeichnungen stammen von Nicodemus Tessin Sr., der bei Schloss Drottningholm eine ähnliche architektonische Lösung verarbeitete.
Hedvig Eleonora, die Mutter von König Karl XI, ließ auch viele andere Gebäude in der Nähe des Schlosses aufführen, wovon ein Teil - z.B. das Gasthaus oder das Pagengebäude - heute noch erhalten ist.

Zum Schloss gehören auch umfassende Gartenanlagen, die doch im Laufe der Jahrhunderte mehrmals verändert wurden. Im Inneren des Schlosses liegen die Zimmer nahezu symmetrisch um eine Zentraltreppe gruppiert, die sich um einen winzigen, offenen Lichthof windet.
Schon in den Dreißigerjahren des 18 Jh. zeigte das Schloss die ersten Zeichen von Verfall, die jedoch von der jüngeren Ulrika Eleonora, der jüngsten Schwester von Karl XII, zuerst einmal repariert wurden. Danach war aber das Interesse für das Schloss Strömsholm erneut ziemlich schwach, bis Sofia Magdalena es als Brautgeschenk von Kornprinz Gustav III erhielt. Sie setzte dann die Restaurierung fort und in der zweiten Hälfte des 18 Jh. geschahen einige Umbauten.
Nach der Erfindung der Eisenbahn verlor das Schloss - etwa eine Tagesreise von Stockholm entfernt - seinen Wert als Übernachtungsplatz, daher durfte ab 1868 die neugebildete militärische Reitschule Teile des Schlosses benutzen, unter anderem als Internat für die Schüler. Genau ein Jahrhundert später wurde der militärische Teil der Reitschule aufgelöst. Das Schloss dient heute als Museum.

Was mir zuerst auffält, als ich mich auf der Auffahrt nähere, ist, dass ein großer Traktor genau vor der Freitreppe des Schlosses geparkt ist. Er verleidet mir die Lust, gleich ein Foto zu machen, aber das macht nichts, weil ich sehe, daß die Sonne einen besseren Winkel bilden wird, je später ich das Bild vom ganzen Schloss auf den Film banne.
Mein nächster Gedanke ist, daß der Kolbäcksfluss vor dem Eingang auf der westlichen Seite des Schlosses einen außergewöhnlich schönen und natürlichen Wallgraben bildet.
Ich gehe über die Brücke und sehe rechts von der Treppe ein kleines Tor, hinter dem ein paar Stufen in den Keller hinunterführen. Dort unten zeigt man eine Ausstellung über die verschiedenen Gartenanlagen durch die Geschichte des Schlosses. Das ist zwar nicht unbedingt mein Interessengebiet, aber ich finde dennoch Gefallen daran, durch die spärlich beleuchteten, fast dunklen Kellergewölbe eine Runde zu drehen.
Wieder am Tageslicht, sehe ich einen Mann, der der Kleidung nach Gärtner, und dadurch auch für den Traktor verantwortlich sein könnte. Ich sage ihm, dass sein Gefährt meinen ästhetischen Sinn stört, aber er gibt spaßend zurück, dass der Traktor möglicherweise mehr wert sein könne als das ganze Schloss. Aber er verspricht auf jeden Fall, ihn wegzufahren.
Jetzt gehe ich die Treppe hoch und komme in die Vorhalle des Schlosses, wo ich aufgefordert werde, 30 Kronen Eintritt zu bezahlen. Dieser Tribut würde mir nicht nur Zulass zu den Räumen des Schlosses gewähren, sondern auch zu den Gewölben im Keller. Ich erkläre lächelnd, dass ich soeben von dort komme....
Am Buchtisch in der Rezeption versehe ich mich mit ein wenig Literatur über das Schloss und seine früheren Einwohner - das kann ein gutes Rückenpolster sein, wenn man das Gebäude später beschreiben will. Und außerdem könnte es ja der Fall sein, dass man damit sogar seine Allgemeinbildung verbessert.

Dann begebe ich mich auf Entdeckungsreise. Durch die äußere Garderobe komme ich zum nordwestlichen Turmzimmer, das laut Beschreibung als Gästezimmer für die Besucher der Königin diente.
Übrigens Beschreibung: diese besteht aus mehr oder weniger schmuddeligen Papierzetteln, die am Türstock hängen oder auf einem Möbel liegen. Darauf gibt es dann Angaben zu dem entsprechenden Zimmer. Natürlich ist es gut, dass es solche Informationen gibt, aber warum denn nicht in schönerer Form - und warum nur auf Schwedisch?
Spätestens im nächsten Zimmer - der Toilettenkammer der Königin, groß wie meine halbe Wohnung - sehe ich an den fallenden Zimmernummern, dass ich in die "falsche" Richtung gehe. Aber das kann ja schließlich jedem passieren und außerdem will ich jetzt auch nicht mehr umdrehen. Deshalb betrete ich ehrerbietig das Schlafgemach der Königin.
Und zugegeben, das dunkelrote Himmelsbett (aus karmosinrotem Damast, wie ich lese) ist wohl einer Königin würdig. Möglicherweise ist es auch das ursprüngliche Imperialbett, erklären die Aufzeichnungen. Auch der Parkettboden aus Eiche ist der ursprüngliche Boden aus dem 18 Jh., der in Sofia Magdalenas Zeit gelegt wurde.
Einen Parkettboden gibt es auch im nächsten Zimmer, dem Audienzsaal der Königin, während die übrigen Räume einfache Bretterböden haben. Dieses riesige Zimmer konnte durch zwei Vorhänge abgeteilt werden, sodass sie einen Korridor vom Schlafsaal der Königin zum nordöstlichen Turmzimmer abschirmten. An der Decke ist heute noch zu sehen, wo die Vorhänge befestigt waren.
Im anschließenden Porträttsaal gibt es Gemälde, die die Regenten von Gustav Vasa bis zu Karl XIV Johan zeigen, sowie eine Büste von Sofia Magdalena, hergestellt von dem bekannten schwedischen Bildhauer Sergel. Der Porträttsaal ist der zentrale Raum an der östlichen Seite des Schlosses und zugleich der größte in diesem Geschoß. Die Einrichtung ist spärlich, wie übrigens im ganzen Schloss. Teilweise kommt dies daher, dass einige Möbel in Laufe der Zeit weggeführt wurden, teils aber auch daher, dass das Schloss Strömsholm niemals vollständig eingerichtet wurde. Dazu fehlte wahrscheinlich sowohl das Geld als auch das Interesse.
Hiernach folgt das Zimmer des Kronprinzen, jedoch ohne Angabe, wer dieser Kronprinz eigentlich war. Auch hier gibt es ein Himmelsbett in rotem Damast, das das Zimmer dominiert - aber woran das Auge haften bleibt ist das Gemälde von Ehrenstrahl, das zwei Birkhähne darstellt, die an einer Holzwand hängen.
Das folgende, südöstliche Turmzimmer wurde ebenfalls als Schlafzimmer benutzt, genauso wie das Vorzimmer wahrscheinlich von Freunden des eben genannten Kronprinzen.
Hier finde ich einige Bilder, die von der älteren Königin Ulrika Eleonora, also der Mutter von Karl XII, äußerst kunstvoll gemalt worden sind. Die Tugenden und Talente dieser hart geprüften Dänin verwundern mich immer mehr. Sie lehnte einen Heiratsantrag des deutschen Kaisers Leopold I ab, weil sie mit Schwedenkönig Karl XI verlobt war, der jedoch zur Zeit gerade gegen Dänemark Krieg führte. Sie wurde später durch ihre Heirat vor allen Dingen ein Stück in einem politischen Puzzle, da sie dadurch den Frieden zwischen Dänemark und Schweden garantieren sollte. Innerhalb der Ehe war ihre höchste Aufgabe das Kinderkriegen, sieben Stück in ebensovielen Jahren, wovon mehr als die Hälfte aber nicht über das Kindesalter hinauskamen. Dazu kommt noch, dass das Zankweib einer Schwiegermutter ihre Ehe dominierte. Kein Wunder, dass Ulrika Eleonora schon mit 37 Jahren ins Grab steigen musste. Und diese Frau hatte also außerdem solche Malertalente....
Der wichtigste Saal der Südseite ist der chinesische Speiseraum. Der Name kommt von den im chinesischen Stil ausgeführten Wandmalereien, die Lars Bolander 1774 nach französischem Vorbild erschuf. Im Inventarium von 1816 wird angegeben, dass nicht weniger als vier Dutzend Speisezimmerstühle zum Möblement gehörten.
Das Bild rechter Hand ist aus dem chinesischen Speisesaal heraus aufgenommen und führt bis zum südwestlichen Turmzimmer. Das Porträtt, das zu sehen ist, stammt aus der Hand des Nachfolgers von Ehrenstrahl, David von Krafft. Sowohl das Turmzimmer, wie auch das Vorzimmer sind nach dem Inventarium von 1816 eingerichtet. Und auch diese Räume wurden als Gästezimmer verwendet.
Der letzte Raum, durch den ich gehe, bevor ich wieder in die Eingangshalle komme, wurde als Wachzimmer verwendet. Heute steht dort allerdings ein großer Schrank, in dem Dinge gezeigt werden, die in Strömsholm - vor allen Dingen im 18 Jh. - verwendet wurden.

Nachdem ich die Treppe hinaufgegangen bin, erinnere ich mich an die "richtige" Reihenfolge der Zimmer und gehe nach Süden in den Reichssaal. Dieser große Raum, der die gesamte südliche Länge des Schlosses beansprucht, imponiert vor allem durch die Sammlung der Gemälde über die Pferde von Karl XI. Alle sind von Ehrenstrahl gemalt worden, nahezu in natürlicher Größe. Dass dieses Zimmer in der Zeit der Reitschule manchmal als Turnsaal gedient hat, ist nahezu frevelhaft.
Auch der östliche zentrale Raum ist von Erinnerungen an die Reitschule dominiert, er wurde als Club verwendet. Hier gibt es noch ein paar Pferde von Karl XI, sowie zwei allegorische Gemälde von Ehrenstrahl.
Im folgenden königlichen Audienzsaal hängt Ehrenstrahls großes Bild von der Krönung Karl XI im Dom von Uppsala. Das nächste Zimmer, das nordöstliche Turmzimmer dient als Beispiel für eine Abstellkammer für alte Möbel. Kunterbunt stehen hier Betten, Stühle, Tische und anderes mehr, das meiste davon stammt aus der zweiten Hälfte des 17 Jh. Hier stehen auch die Betten von Karl XII und seiner Schwester Hedvig Sofia aus dem Jahr 1694.
Das Schlafgemach des Königs ist im nördlichen Teil der zentrale Raum, genau über dem Schlafzimmer der Königin. Das finde ich eine ziemlich unpraktische Lösung, bis ich entdecke, dass es eine "heimliche" Treppe gibt, die die beiden Zimmer verbindet...
Durch das letzte Zimmer, die Ankleidekammer des Königs, komme ich zur großen Treppe zurück. Ich gehe noch ein Stockwerk hinauf, wo die Kapelle liegen soll, aber ich finde nur verschlossene Türen. Ich erfahre durch die Dokumentation, dass die jüngere Königin Ulrika Eleonora um 1730 Carl Hårleman beauftragt hat, die Kapelle einzurichten und dass das meiste darin auch aus dieser Zeit stammt.
Beim Verlassen des Schlosses finde ich, trotz dem Missgeschick bei der Kapelle (ich hätte sicher Zutritt bekommen, wenn ich danach gefragt hätte), dass die Besichtigung durchaus den Eintrittspreis wert war. Inzwischen ist auch der Traktor weg und ich bekomme mein Foto von der Vorderansicht des Schlosses, bevor ich mich auf mein Rad setze und bei der Heimfahrt meine Eindrücke vom Schloss auf mich wirken lasse.


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last update: 2.10.1998 by webmaster@werbeka.com