DIE KARLSKIRCHE


In meiner Jugend entwickelte ich meine eigenen Fotos. Nur schwarz-weiß natürlich, aber es war trotzdem interessant, die Bilder anpassen und beschneiden zu können, oder sie zu vergrößern und sie auf dem Papier hervorwachsen zu sehen. Das Foto rechts ist so ein Bild, heute mehrere Jahrzehnte alt. Der Gedanke daran, dass ich ein "historisches" Bild gemacht habe, ist sowohl faszinierend, wie auch erschreckend. So lange her ist das, so viel Zeit ist vergangen....

Dennoch ist die Kirche mehr als sieben Mal so alt. Ich hatte immer gedacht, dass sie ihren Namen nach Kaiser Karl VI trug, dem Vater Maria Theresias, der sie ja in Auftrag gab. Aber sie heißt eigentlich St. Karl Borromäus-Kirche, zu Ehren des Pestheiligen mit diesem Namen. Karl VI hatte im Pestjahr 1713, als die Pest in zwei Jahrzehnten zum wiederholten Mal in Wien zuschlug, versprochen, die Kirche bauen zu lassen. Zwei Jahre später begann der großartige Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach mit dem Bau, den sein Sohn ein gutes Dezennium später vollbrachte.

An der Karlskirche fällt besonders die architektonische Kultursymbiose auf, die das Genie Fischer von Erlach erschaffen hat. Die Seitentürme erinnern an orientalische Pagoden. Die zwei hohen Säulen, die das griechische Portal einrahmen, gleichen teils islamischen Minaretten, wie auch römischen Triumphsäulen, was durch die Reliefs noch verstärkt wird, die Szenen aus dem Leben von Karl Borromäus zeigen.

Ich glaube, es ist wichtig, dass man auch an die Lage der Kirche denkt, und zwar zu der Zeit, als sie gebaut wurde. Heute ist sie ja im Stadtbild integriert, auch wenn man in den letzten Jahren den visuellen Effekt verstärkt hat, durch den Park und den Teich vor der Anlage.

Aber vor rund 300 Jahren lag die Kirche ein Stück außerhalb der Stadt, die ja durch Stadtmauern begrenzt war, die ungefähr der Strecke der heutigen Ringstraße entsprachen. Außerhalb der Stadtmauern befand sich ein offenes Feld, das sogenannte "Glacis", das es ermöglichen sollte, eventuell herannahende Feinde frühzeitig zu erkennen. Man hatte also von der Stadt aus freie Sicht auf die Kirche - und diese offene Lage verstärkte noch ihre Charakteristika. Man hegte auch den Gedanken, vom "Kärntner Tor" in der Stadtmauer bis zur Karlskirche eine Prachtstraße zu errichten, aber dieses Projekt wurde nie realisiert.

Im Inneren der Kirche imponiert der große, ovale Raum, der an der Hinterseite von der Orgelempore begrenzt wird, gegenüber aber vom Hochaltar, der wieder ein Beispiel für die einmalige Baukunst Fischer von Erlachs ist. Man sieht das Licht von oben hereinfallen und auf diese Art wird ganz natürlich der Unterschied zwischen den himmlischen Gefilden und dem dunklen Dasein auf der Erde erschaffen.
In der Mitte schwebt Karl Borromäus auf einer Wolke, als er gerade in den Himmel hinaufgehoben wird.
Aber der Höhepunkt für meinen heutigen Besuch ist etwas ganz anderes. Man restauriert gerade die Fresken in der Kuppel, die in 45 m Höhe emporragt. Um das bewerkstelligen zu können, hat man in der Kirche ein Gerüst aufgestellt und im Anschluss dazu einen Aufzug, der die Besucher gut 30 Meter in die Höhe führt.
Das ist natürlich eine einmalige Gelegenheit, die Kunst zu betrachten, die von Johann Michael Rottmayr erschaffen wurde und die sich normalerweise in viel zu großer Höhe befindet, um Details erfassen zu können. Der Maler begann sein Werk als Siebzigjähriger und arbeitete daran bis zu seinem Tod, fünf Jahre später.
Das Hauptthema ist wieder der Pestheilige, der, in seinen roten Kardinalmantel gekleidet, unterstützt von Jungfrau Maria, seinen Gott darum bittet, dass die Pest auf Erden doch aufhören möge, ihren grausamen Tribut zu fordern. Um die Hauptgruppe herum befinden sich vielerlei Engel, unter anderem der Erzengel Michael mit seinem Schwert. Außerdem gibt es noch drei andere thematische Gruppierungen, die Allegorien über die drei göttlichen Tugenden - Glaube, Hoffnung und Liebe - zeigen.
Klicken Sie auf die nachfolgenden Bilder, um sie zu vergrößern.
Bernhard Kauntz, 2003 Västerås, Schweden



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