Der Heldenberg


Sagt Ihnen der Name Joseph Pargfrieder etwas? Den alten Haudegen Radetzky kennen Sie sicher. Wissen Sie auch, was die beiden verbindet?
Sie liegen beide in Kleinwetzdorf, in der Gemeinde Heldenberg, begraben. Heldenberg liegt im Schmidatal und bildet ein Triangel mit Hollabrunn und Stockerau.
Wieso kommt es, dass der bekannte Radetzky in einem relativ unbekannten Ort begraben ist? Nun, hier kommt der Joseph Pargfrieder ins Spiel. Er war ein Zeitgenosse von Radetzky und Armeelieferant des Kaiserreiches. Möglicherweise war die Armee auch das Verbindungsglied zwischen den beiden. Es war auch ein Dritter im Bunde, nämlich der Feldmarschall Wimpffen.
Nun mögen die beiden Offiziere ihre militärischen Siege errungen haben, im Spiel war ihnen das Glück nicht hold. Hier kam Pargfrieder zu Hilfe. Er war durch seine Lieferungen an das Heer ein reicher Mann geworden und bezahlte die Spielschulden seiner Freunde. Aber er machte das nicht umsonst. Die beiden mussten sich nämlich testamentarisch verpflichten, am Heldenberg begraben zu werden. Und so kam es.
Was Pargfrieder davon hatte? Nun, gewiss ist er und sein Werk, auf das ich gleich zurück komme, durch die berühmte "Nachbarschaft" weniger der Vergessenheit ausgeliefert, als wäre er irgendwo sonst begraben. Er ließ sich nämlich selbst in dem Mausoleum, das er dort erschaffen hatte, zwischen den beiden hohen Würdenträgern bestatten. Wenn nun jemand an Radetzkys Grab kommt (Wimpffen mag mir verzeihen, aber er ist wohl nicht so "gefragt", wie sein Kollege), dann steht der Besucher automatisch auch vor der letzten Ruhestätte Pargfrieders. Mag sein, dass es mit fremden Federn geschmückter Ruhm ist, aber er hat ohne Zweifel die Nachwelt an sich erinnert.

Rudolph I (1218 - 1291)
Dabei ist sein Werk durchaus nicht unbedeutend, wenngleich es, nicht zuletzt durch den Lauf der Geschichte, relativ unbekannt ist. Pargfrieder hat auf dem Platz vor dem Mausoleum nämlich auch ein Stück österreichischer Geschichte erhalten.
Er ließ in dem Park Büsten von historischen Personen aufstellen. Die wichtigsten davon sind wohl die der 22 Kaiser von Rudolph I bis Franz Joseph. Die anderen sind vor allem militärischen "Helden" gewidmet, unter ihnen solche Größen wie Graf Starhemberg (dem Verteidiger Wiens während der zweiten Türkenbelagerung), über Wallenstein, bis zu Gott weiß wem. Die meisten der insgesamt 142 Büsten stellen Krieger aus Radetzkys Epoche dar.
Nun kann man natürlich verschiedene Dinge bekritteln. Erstens frage ich mich, wie er die Büsten der alten Kaiser aus dem 13. Jh. rekonstruierte. Zweitens sind es nicht unbedingt die "Helden", die ich dort sehen möchte. Mir wäre es viel lieber, dort weniger Soldaten und mehr Geisteshelden zu sehen - Wissenschafter, Denker und Dichter zum Beispiel, wie in der deutschen Walhalla bei Regensburg, vom Bayernkönig Ludwig I gegründet.
Aber gut, gestehen wir dem Herrn Pargfrieder zu, dass er stolz auf die österreichische Geschichte war. Schließlich bilden 800 Jahre Herrschaft der Habsburger genügend Grund, um wenigstens ebenso stolz zu sein, wie US-Amerikaner auf ihre 43 Präsidenten in nicht einmal einem Drittel dieser Zeit.
Aber halt! Stolz? Ist das nicht verpönter, wenn nicht sogar verbotener Nationalismus?
Ist nicht die gesamte Habsburg-Ära verdunkelt, mit der Schuld befleckt, den ersten Weltkrieg ausgelöst zu haben?
Faktum ist, dass die Kriegserklärung an Serbien im Sommer 1914 der einzige Angriffskrieg war, den die Habsburger in ihrer 800jährigen Geschichte geführt haben. Und das, nachdem man den Thronfolger Franz Ferdinand erschossen hatte und Serbien auf das Ultimatum nicht einging, das Österreich stellte. Man wollte die Auslieferung des Täters und Einsicht in die Untersuchungen des Tathergangs. Viel verlangt?
Vergleichen wir doch wieder mit unserer heutigen Zeit. Was glauben Sie, würde geschehen, wenn der englische Prinz Charles oder der amerikanische Vizepräsident - sagen wir - im Iran ermordet werden würde?
Ein anderes Argument der "Sieger" in den Weltkriegen, denn sie schreiben ja immer die Geschichte, die dann gelehrt wird, ist, dass der Vielvölkerstaat der Doppelmonarchie veraltet war. Der Nationalismus der "vielen Völker" war also ganz in Ordnung. Interessanterweise sind es dieselben Völker, die damals ihre Freiheit gewinnen "mussten", die heute in die EU drängen ...
Es folgte der Friedens"vertrag" von Versailles. Bei diesem unmenschlichen Diktat durften die "Verlierer" nicht einmal bei den Verhandlungen anwesend sein! Dass dies zur Superinflation, zu noch größerem Nationalismus und schließlich zum zweiten Weltkrieg geführt hat, war natürlich wieder der Fehler der Besiegten. Dabei hätte es möglicherweise ohne die immensen Auflagen und Kriegsschadenersatzzahlungen gar keinen Boden für den Nationalsozialismus gegeben ...
Sieht man diese Tatsachen ein - deren man sich meist gar nicht bewusst ist, weil sie ja nicht der allgemeingültigen Geschichte entsprechen - versteht man also den Hintergrund, dann gibt es überhaupt keine Ursache über den Pargfrieder zu lächeln - oder noch schlimmer, ihn zu verurteilen. Man darf darauf stolz sein, Österreicher zu sein.

Friedrich III (1415 - 1493)

Maximilian I (1459 - 1519)

Karl V (1500 - 1558)

Ferdinand I (1503 - 1564)

Rudolph II (1552 - 1612)

Karl VI (1685 - 1740)

Maria Theresia (1717 - 1780)

Joseph II (1741 - 1790)

Franz II/I (1768 - 1835)


Bernhard Kauntz, Västerås 2006



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