Wien 1., Das Museum der Illusionen in Wien


Wie definiert man eine Illusion? Vielleicht so: "Eine Illusion ist eine Wirklichkeit, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt"? Nun, das Museum der Illusionen an sich ist wirklich genug. Es befindet sich in der Wallnerstraße 4, inmitten von Wiens Altstadt. Als wir hinkommen, erleben wir die erste Überraschung. Es gibt anscheinend viele Menschen, deren Illusionen einen Nachhilfebedarf haben, denn wir müssen Schlange stehen, schätzungsweise bis zu einer halben Stunde, bevor man die heiligen Hallen des Museums betreten darf. Wir überlegen schon, uns eine andere Beschäftigung zu finden, aber die Neugier kitzelt ja doch im Bauch. Also warten wir. Und das haben wir wirklich nicht bereut.
Es sind zwar keine großen Räume und nach dem Schlange stehen konnte man vermuten, dass sich ziemlich viele Leute hier aufhalten würden, aber schon die Freundlichkeit an der Kassa lässt einen gleich mit dem Raunzen aufhören. Was eigentlich recht toll ist, denn Wien ist bekannt für seine Raunzerei. Für die Nichtwiener sei gesagt, dass der Duden für "raunzen" folgende Synonyme gibt: "weinerlich klagen; dauernd unzufrieden nörgeln". Aber das nur am Rande. Zurück zur Freundlichkeit, mit der einem erklärt wird: "Sie dürfen hier alles anfassen, alles ausprobieren und alles fotografieren." Das allein ist schon großartig und so gar nicht museal. Also hinein ins Vergnügen. Gleich im ersten Raum sieht man an der gegenüber liegenden Wand eine Collage. (Bild oben rechts.)
Dort steht, dass man sich das Bild eine Weile ansehen soll, um ein Erlebnis zu erfahren. Ich erlebte gar nichts. Auch nicht, als mir geraten wird ein paar Schritte zurück zu machen. Weil das auch nicht hilft, steht dort, dass ich durch die Kamera schauen solle. Aha! Und sollten Sie, so wie ich, zunächst gar nichts Interessantes sehen, dann blinzeln Sie! Oder gehen Sie ein paar Schritte weg vom Bildschirm. Jetzt? Ja?
Ich gebe ja zu, dass ich ein wenig gemogelt habe, aber ich wollte versuchen, das Erlebnis vom Museum nachzumachen. Daher habe ich im oberen Bild nur einen Ausschnitt genommen. Sie sehen aber an der "8" im unteren Bild und in allen Facetten daneben, dass es sich oben um einen Ausschnitt des Originals handelt.
Nun ist das ja auch nicht ganz neu. Wenn Sie Werke des großen surrealistischen Malers Salvador Dalí kennen, dann denken Sie sicher an das Porträt von Abraham Lincoln, das als Vexierbild auch als Mädchen am Fenster gesehen werden kann.
Dieser Beispiele gibt es mehrere. Die meisten werden die zwei gleich langen Linien kennen, deren eine kürzer erscheint, wenn die Winkel an den Enden über die Linie zurück führen, während die Linie "länger wird", wenn die Winkel, von der Linie aus gesehen, fortsetzen. Auch die optische Täuschung mit den schiefen Linien (im Bild rechts) ist vielen bekannt. Es ist recht unwahrscheinlich, aber alle Linien sind gerade. Am Bildschirm sieht man das nicht so gut, aber Sie können versuchen, das Bild von der Seite aus anzusehen.
Dann verliert es nämlich viel von seinem Effekt.
Spätestens jetzt müssten Sie sich fragen, ob Sie wirklich sehen, was Sie sehen ... Sie können sich selbst prüfen. Sprechen Sie im Bild rechts die Farbe der Worte aus, in denen sie geschrieben sind. Also statt "gelb (yellow)" sagen Sie "grün", "blau" ersetzen Sie mit "rot", und so weiter. Es wird schwierig genug sein, aber bedenken Sie, dass es noch viel schlimmer wäre, hätten die Worte ihre deutschen Bezeichnungen.
Wenn Sie einmal ihren Kopf von den Wehwehchen des Körpers frei machen wollen, dann ist es zu empfehlen, ihn hier abzuschneiden. Sie können immer noch gefüttert werden, also brauchen Sie nicht um ihr Leben zu fürchten.
Es gibt auch Möglichkeiten selbst aktiv zu werden und zu versuchen, diverse Puzzles oder Tangramme zu lösen. (Sogar das könnten Sie mit Ihrem freigestellten Kopf machen ...) Und es gibt noch viele, viele andere Beispiele von Illusionen. Das Gefühl, das man hat, wenn man aufgefordert wird, einen Würfel vom Tisch zu nehmen - und man greift in die Luft, durch den Würfel durch ...
Das war mein bisher größtes Geistererlebnis, auch wenn es nur ein Geisterwürfel war.
Aber ich will nicht alles verraten. Erleben Sie es! Ein Hologramm, das sich verändert, wenn man daran vorbeigeht und darin die Entwicklungsgeschichte menschlicher Köpfe durch die letzten zwei Millionen Jahre sehen kann, ist erwähnungswert. Auch das "Kaleidoskop" oder der "unendliche Raum", sowie der "Antigravitations-Raum" und der "Vortex-Tunnel" dürfen nicht vergessen werden. Im Ames Raum (Bild rechts) können Sie wählen, ob Sie sich selbst zum Zwerg oder zum Riesen machen wollen.

All dies ist das Hobby einer jungen Dame, sie heisst Lana, von der man eigentlich erwartet, dass sie Psychologie studiert. Aber auf meine Frage antwortete sie: "Nein, Architektur". Ich war zuerst überrascht, aber bei näherem Nachdenken, können Illusionen nicht zuletzt in der Architektur wichtig sein und bilden also eine gute Ergänzung zum Studium.
Wie ein guter Geist schwebt diese junge Dame durch die Zimmer, lacht mit den Kindern, erklärt Zusammenhänge, bietet sich an, mit den Kameras der Besucher Fotos von diesen zu machen und prägt mit ihrem freundlichen, hilfsbereiten Wesen das ganze Museum. Ein großes Danke für die Idee und für die Ausführung!

Wenn Sie in Wien wohnen - gehen Sie hin. Wenn Sie im Urlaub nach Wien kommen - gehen Sie hin. Wenn Sie geschäftlich in Wien sind - gehen Sie hin! Tun Sie es mit einem Lächeln und sie werden lachend, kopfschüttelnd und klüger wieder herauskommen!

Bernhard Kauntz, Västerås 2017


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Seite erstellt am 10.11.2017 by webmaster@werbeka.com