Schloss Engsö


Bei einem meiner Radausflüge fuhr ich nach Ängsö, da wollte ich mir natürlich auch gleich die Kirche von Ängsö und das Schloss Engsö ansehen. Schon während der Fahrt durch die Schlossallee machte sie einen so einladenden Eindruck, dass ich stehen blieb, um ein Foto zu schießen.

Schloss, übrigens ... Als ich nach Schweden kam, fiel es mir ein bisschen schwer, die Bezeichnung "Schloss" für etwas zu akzeptieren, was architektonisch nicht einmal mit einem gewöhnlichen Mietshaus des 19. Jhd. in Wien vergleichbar war, um nicht von Palästen wie der Kaiserburg der Habsburger oder deren "Sommerhäuschen" Schönbrunn zu reden.
Aber damals hatte ich noch nicht Erfahrung genug, um den Zeitaspekt in Betracht zu ziehen. Schloss Engsö wurde schon um 1480 erbaut - zu dieser Zeit hatten dieses Gebäude als wichtigste Aufgabe, ein "befestigtes Haus" zu sein, etwas, das Gustaf Vasa erfahren musste, als er in seinem Befreiungskrieg gegen die Dänen Engsö belagern musste, um das Schloss einnehmen zu können.

Aber zurück zu unserer Zeit. Logischerweise hatte ich auch von dem Spuk auf Engsö gehört, vom Trollstein und Brita Bååt (siehe dazu auch Die Kirche in Ängsö) und allerlei anderem Unwesen, das sich in diesen Gefilden herumtrieb. Und ... hatte auch die Sonne nur ein paar Minuten früher durch die Äste der Bäume in der Allee gelacht, so waren jetzt von nirgendwo dunkle Wolken aufgezogen, um die mystische Stimmung dieses Ortes zu unterstreichen.

Nun, ich würde mich in nächster Zeit ohnehin im Haus aufhalten, aber ich gebe zu, dass mir bei dem Gedanken an die Rückfahrt nach Västerås nicht ganz wohl war.

Ich kaufe mir zunächst ein kleines Buch über Schloss Engsö, in dem ich lese, während ich mir ein einfaches Mittagessen zu Gemüte führe. Das Buch ist bei meiner folgenden Besichtigung eine große Hilfe, aber es gibt außerdem noch viele interessante Dinge darin zu lesen. Zum Beispiel erfahre ich, dass das Pferd von König Karl XII, Brandklipparen, hier auf Engsö seine letzten Jahre verbracht hatte und auch hier begraben wurde.

Im Erdgeschoß gibt es ein Selbstbedienungsrestaurant in der alten Küche des Hauses, wo auf Regalen auch antike Bügeleisen und Kupfergeschirr aufgestellt sind, um den Eindruck zu verstärken. Die Kreuzbögen an der Decke tragen auch dazu bei. Das freundliche Personal versieht mich mit meinen Wünschen und dann finde ich einen Tisch im Freien, wo ich meine Lektüre beginne. Engsö muss einmal, vor langer Zeit, König Erik dem Heiligen gehört haben, denn sein Sohn Knut Eriksson überließ das Gut "Engsev" den Klosterbrüdern in Yoluthia (heute Julita) im späten 12. Jhd. Dann war "Engsyo" im Besitz eines Frauenklosters und einem Sohn Birger Jarls, dem Ritter Greger, sowie dessen Sohn Magnus Gregersson.
Abjörn Sixtensson Sparre, Ratsherr bei Birger Jarl, war der nächste Eigentümer, bevor sein Sohn Nils Abjörnsson den Besitz erbte.

Ein kräftiger Regenguss verursacht meine Flucht ins Haus, wo ich meine Mahlzeit mit einer Tasse Kaffee abrunde, die ich in einem der vier kleinen Speiseräume genieße, wo es wieder Kreuzbögen und Kachelofen zu bewundern gibt.

Die Erinnerung an Nils Abjörnsson ist in der Kirche nebenan bewahrt, wo sein Wappen noch immer auf die Tür zur Sakristei gemalt ist. Er war übrigens Reichsverweser bei König Magnus Eriksson. Mir fällt auf, dass die Geschichte des Schlosses sehr nahe mit der der schwedischen Regenten verwandt ist und auch mit der der Adelsgeschlechter, denn jetzt tauchen Namen auf wie Bielke, Oxenstierna, Sture, Natt och Dag, bevor der Besitz wieder an die Sparre fällt.
Bengt Fadersson ließ um 1480 das "feste Haus Engsö aus Stein" erbauen, mit dazugehörigen Mauern und Gräben. Er war, wie auch sein Sohn Knut Bengtsson, Reichsrat bei König Christian II von Dänemark, der damals über Schweden herrschte. Knut wurde im Jahr 1521 in Västerås erschossen, als er die Stadt gegen die Männer des aufständischen Gustaf Vasa verteidigte. Im Jahr danach fiel auch das Schloss in Engsö, aber eineinhalb Jahrzehnte später bekam Knuts Tochter Hillevi das Gut von "König Göstaf " (Vasa) zurück. Sie heiratete Arvid Trolle und über Elsa Trolle wurde Arvid Posse Eigentümer. Er war Junker am Hof von Johan III (einem Sohn Gustaf Vasas) und schenkte seinen Besitz als Morgengabe seiner Gemahlin Brita Bååt von Follnäs.

Nach dem Kaffee entscheide ich, dass es jetzt höchste Zeit für einen Rundgang durch das Schloss ist. Ich gehe an den Gefängniszellen vorbei, von denen eine seit 1691 als Weinkeller dient. Bis zu dieser Zeit hatte man in Engsö das sogenannte "Hals- und Handrecht" gehabt, das heißt das Recht, Justiz bis hin zum Todesurteil zu üben. Das unterstreicht die wichtige Stellung, die Engsö im schwedischen Reich zugeteilt worden war. Durch eine schmiedeeiserne Doppeltür komme ich in den Halbstock, wo in einigen niedrigen Räumen weitere alte Küchenutensilien gezeigt werden.
Ich aber denke an die weitere Geschichte des Hauses und an Elsa Posse als Erbin, die Per Sparre heiratete.
Dieser Mann, auch er Reichsrat, ließ das Haus von Mårten Murmästare restaurieren, eine Arbeit, die 1637 fertig war. Per Persson Sparre, sein Sohn, war Kammerherr bei Königin Hedvig Eleonora, wie auch dessen Sohn und Erbe, Erik Persson.

Danach folgte das schwarze Schaf in der Familie Sparre, nämlich Johan Sigismund. Über ihn erzählt man, dass er eines Abends Würfel spielen wollte, aber dass alle schon schliefen. Er dreistete sich, den Teufel selbst herauszufordern, der gleich darauf zur Tür hereinkam. Aber Johan Sigismund hatte Glück. Er gewann und gewann und gewann. Schließlich zog sein Gegner eine fünf Fuß lange Goldkette aus der Tasche, warf sie als Bezahlung auf den Tisch und sagte: "Diese Kette darf niemals von jemand anderem als dem Herrn zu Engsö getragen werden. Glut und Feuer werden alles verheeren, wenn die Kette jemals von hier fortgenommen wird."
Aberglaube? Tatsache ist, dass es auf Engsö zweimal gebrannt hat, als die Kette nicht im Haus war ... Heute wird sie hinter Glas im Treppenaufgang zum ersten Stock gezeigt.
Es ist vielleicht gar nicht verwunderlich, dass Johan Sigismund nach solchen Erlebnissen auch vor weltlicher Macht keine Angst zeigte. Er kam nämlich mit König Karl IX in Streit, als dieser das Hals- und Handrecht aufhob, wie auch das Privilegium, dass Engsö seine eigenen Pfarrer auswählen durfte. Daraufhin schloss Johan Sigismund kurzerhand bei zwei Gelegenheiten die Kirche.

Er musste schließlich aber einlenken und wurde zu öffentlicher Abbitte und Tagesbußen in Form einer Geldstrafe verurteilt. Letztlich war er gezwungen, im Jahr 1710 Engsö an Graf Carl Piper und seine Gattin Christina Törnflycht um 48050 Taler Silbermünzen zu verkaufen.
Ich bin jetzt in den großen Speisesaal gekommen, der mit seinen 144 Quadratmetern etwa doppelt so groß ist, wie meine Zweizimmerwohnung. Auch die Kristalllüster sind ein wenig größer und schöner gearbeitet als meine zu Hause ... Aber es ist ohne Zweifel etwas Besonderes, dieses Raumgefühl auf sich einwirken zu lassen und außerdem ist es wunderbar, einen Schritt zurück zu tun und sich in der Welt dieser Zeit wiederzufinden.

An den Wänden hängen ein Gemälde von Engsö um 1740, sowie Portraits der ersten Besitzer der Familie Piper und ihren Nächsten.
Carl Piper bekam seinen Besitz nie zu Gesicht. Er war Reichsrat bei dem Kriegerkönig Karl XII und sein persönlicher Ratgeber. 1709 wurde er bei Poltava gefangen und starb 1716 in Russland. Er liegt mit seiner Gemahlin in Marmorsarkophagen in der Kirche beim Schloss.

Der Sohn der beiden, Carl Fredric, war der nächste Besitzer, der das Gut 1730 übernahm. Sein Portrait und das seiner Gemahlin Ulrica Christina Mörner ist im Salon hinter dem Speisesaal zu sehen. Carl Fredric ließ in den 40er Jahren des 18. Jhd. den dritten Stock und den Turm anbauen, nach den Zeichnungen von Carl Hårleman. Außerdem ließ er den Turm und die Apsis der Kirche errichten, sowie Verwaltungsgebäude aus Stein.
Drei Mal wurde ihm angeboten, Reichsrat zu werden, aber er schlug das Angebot aus. Er schaffte sich auch eine große Bibliothek an, mit dem Schwerpunkt auf schwedischer Geschichte, die die ganze südliche Länge des dritten Stockwerks in Anspruch nahm.

Ich hätte diesen Carl Fredrik sehr gern getroffen, der seine Eltern ehrte, Sinn für Kultur hatte, an Geschichte interessiert war, nicht nach Macht strebte und außerdem Selbstgefühl genug hatte, um seine staatlichen Aufgaben hinzuwerfen, als sein Schwiegersohn Erik Brahe 1756 hingerichtet wurde. Danach zog sich Carl Fredric zurück, ins Schloss Krageholm in Schonen, wo er den Rest seiner Tage verbrachte.

Ich komme an einer Wand vorbei, an der die Portraits von Carl Fredrics fünf Kindern hängen. Der Jüngste von ihnen, Adolf Ludvig Piper (im Bild unten rechts) übernahm Engsö, nachdem das Gut einige Jahre lang leer gestanden war.

Ich komme ins Frühstückszimmer, wo der Tisch gedeckt ist, als ob jederzeit jemand auftauchen könnte, um eine Mahlzeit einzunehmen. Früher war dies das Kabinett der Gräfin und das anschließende Servierzimmer der Platz der Kammerjungfrau.
Aber meine Gedanken verweilen noch bei Adolf Ludvig. Er war eine Weile Kammerherr und auch Handsekretär bei König Gustaf III, den er sehr bewunderte. Das zeigt wohl, dass Adolf Ludvig den Sinn für Kultur von seinem Vater geerbt oder gelernt haben musste. Auch auf Engsö, das er sporadisch bewohnte, beließ der Sohn pietätsvoll die Einrichtung des Vaters. Leider ist es ja meistens so, dass der Pöbel und andere Niedriggesinnte zum Schluss immer die Oberhand gewinnen. Das wird durch den Mord an Gustaf III, vermutlich Schwedens kulturellster König, gezeigt, wie auch dadurch, dass Adolf Ludvigs Gemahlin, Eva Sophie von Fersen, ihren Mann 21 Jahre lang überlebte. Sie war zwar Hofzeremonienmeisterin bei Königin Hedvig Elisabeth Charlotta, aber um ihren teuren Lebensstil und nicht zuletzt ihre Spielleidenschaft bezahlen zu können, verkaufte sie Möbel und andere lose Dinge aus Engsö, ja sogar Tapeten und Gobelins, aber vor allen Dingen auch einen Großteil der Bibliothek Carl Fredrics.

Es sind nicht nur die ausgestellten Objekte, die mir imponieren, es ist auch die Vielfalt an Details, die es überall gibt. Hier gibt es einen Kerzenleuchter mit einem verzierten Spiegel zu bewundern, dort ein Servicetablett, das gegen die Wand gelehnt ist. Auf einem Schreibtisch finde ich ein Pincenet, als ob es jemand dort liegen lassen hätte, weil er gleich zurückkommen und weiterlesen würde. Der Alltag wird auf diese Art ganz natürlich hervorgehoben.

Es ist die Liebe und Sorgfalt, mit der man diese Ausstellung aufgebaut hat, die sie so zufriedenstellend wirken lässt, die einen erwartungsvoll das nächste Zimmer betreten lässt.
Als ich jedoch nun das nächste Zimmer betrete, schrecke ich zurück. Dort sitzt eine Dame bei einem Toilettentisch und ich brauche eine Sekunde, bevor ich verstehe, dass es nur eine Puppe ist. Gleich darauf lächle ich über diesen Einfall und gratuliere sogar zu dieser guten Idee, die Ausstellung noch lebendiger zu gestalten.
In den kommenden Räumen werde ich noch mehrere Einwohner des Hauses treffen.

Ich fahre fort, meine, oder besser gesagt Engsös Geschichte weiter zu verfolgen. Die nächsten Eigentümer waren Axel Adolf Piper und die wegen ihrer Schönheit bekannte Magdalena Maria Augusta Armfeldt, aber Engsö war zu dieser Zeit an Claes Erik Mörner verpachtet. Als dann Axel Mauritz Piper das Eigentum wieder übernahm, war es abermals ziemlich verfallen. Dieser oberste Kammerherr und Rittmeister sah jedoch dazu, dass das Schloss und die Verwaltungsgebäude wieder restauriert wurden. Er ließ auch den Grund abmessen und schaffte das Recht der Herrschaft ab, jederzeit von den dem Gut unterstellten Bauern Tagesarbeiten verlangen zu können. Statt dessen bezahlte er einen Tageslohn für ausgeführte Arbeiten.
Seine Gattin, Anna Madelaine Wachtmeister war Staatsfrau bei Königin Lovisa und später Oberhofzeremonienmeisterin bei König Karl XV. Der einzige Sohn der beiden, Axel Piper, war während lediglich zwei Jahren Besitzer des Schlosses, als er, nur 28 Jahre alt, in Cannes verstarb.

Das geschah 1875, im selben Jahr, als seine Mutter aus dem Leben schied. Nachdem es keinen direkten Erben gab, ging der Besitz an seinen Onkel, Ludvig Magnus Alexander Piper, mit Hedvig Kristina Lovisin verheiratet. Die beiden hatten jedoch auch keinen Sohn und Engsö blieb verwaist stehen, bevor man entscheiden konnte, wer der nächste Eigentümer sein solle.

Inzwischen bin ich über die Treppe in den zweiten Stock hinaufgestiegen und befinde mich im Rokokosalon, in dem besonders die Wände einen bestehenden Eindruck hinterlassen. Sie sind mit Leinwand verkleidet und abwechselnd mit Landschaften und Blumenmotiven bemalt.
Hier steht auch eine Bronzebüste von Karl XII, die ich in meinem Eifer auch fotografiere, aber die ich hier nicht zeige, denn ich bin kein Freund von diesem kriegerischen, jungen Mann.
Viel kultureller finde ich da die Vasen, die hier und dort aufgestellt sind.
Es ist ein schrecklicher Gedanke, zu wissen, dass der Rokokosalon und das ganze dritte Stockwerk am Ende des 19. Jhd. als Lager verwendet wurden, während das Schloss keinen Besitzer hatte. Der Verwalter, Carl Lovisin, war anscheinend auch keine besonders kulturelle Person ...
Außerdem konnte im Prinzip jedermann ins Schloss eindringen, das von den umliegenden Bewohnern "die Ruine" genannt wurde.

Das führte dazu, dass weitere Wertgegenstände verschwanden - äußerst traurig, wenn man bedenkt, mit welcher Hingabe man versucht hat, mit dem Rest die Atmosphäre wiederzugeben. Das Snogeholmszimmer, in dem ich mich jetzt befinde, ist nur noch ein Beispiel dafür.
Erst 1902 wurden Kammerherr Erik Adolf Alfred Piper und seine Gemahlin Josefine Juliana Reinholdina Rudbeck neue Eigentümer und begannen wieder eine Restauration. Sein Bruder, Eric Carl Piper, mit Catherine Augusta Pritchard-Morgan verheiratet und deren Sohn Eric Claes Willliam Piper mit Gattin Charlotte Hedvig Lilliestierna waren die weiteren Gutsherren. Und damit bin ich in der Jetztzeit angelangt, was die Besitzergeschichte betrifft.

Seit 1971 ist das Schloss im Besitz der Stiftung für Naturschutz und Naturfreunde der Region Västmanland, aber es wird von Carl-Magnus Piper und seiner Gattin Catharina Marika Olivecrona verwaltet.
Der Rest des zweiten Stockwerks besteht aus Gästezimmern, darunter das sogenannte Königszimmer, sowie mehrere kleinere Räume.
Faszinierend ist auch die Portraitsammlung im Haus. Nicht weniger als 78 Portraits hängen an den Wänden, an natürlichen Stellen, sodass sie den Eindruck von bewohnten Zimmern noch intensiver machen. Das Können der verschiedenen Maler variiert zwar ein wenig, aber trotzdem sind die Bilder eine Erinnerung an die Personen, die direkt mit Engsö zu tun hatten und deshalb doppelt bemerkenswert.

Als ich in den letzten Stock hinaufkomme, treffe ich endlich Graf Carl Fredric. Er sitzt in seinem Arbeitszimmer, sieht gedankenversunken aus dem Fenster und denkt wohl an den nächsten Satz, den er schreiben wird. Am Eingang zum Kabinett erzählt ein Schild, dass sich an den Wänden die Originaltapeten von 1740 befinden, aus sogenanntem Kassian. Das ist Baumwollstoff mit gepresstem Muster, der Seidendamast imitieren soll.
Neuerlich bedaure ich, dass er nicht leibhaftig vor mir sitzt, sodass wir über Probleme aus seiner und unserer Zeit diskutieren können. Er hätte mir vielleicht erzählt, dass es am Anfang des 18. Jhd. zu wenig Arbeitskraft gegeben hatte. Die Kriegszüge des Karl XII hatten zahlreiche Opfer verlangt und viele Bauernhöfe auf Engsö standen leer und übergeben. Selbst war Carl Fredric gezwungen, viel Zeit in Stockholm zu verbringen, aber er hatte einen tüchtigen Vorarbeiter in Engsö, Anders Åhman, der mit seinem Arbeitsgeber fleißig korrespondierte. So erzählte er im Jahr 1733, dass die gesamte Arbeiterschaft gekündigt hatte, als das jährlich eingegangene Dienstverhältnis zu Ende war, und dass er viel Überzeugungsvermögen gebraucht hatte, um die meisten von ihnen zum Bleiben zu veranlassen.

Ich muss lächeln, als ich daran denke, was Carl Fredrik wohl zu unseren Gewerkschaften gesagt hätte? Was würde er wohl zu unseren Musikfestivals und zum jährlichen "Power Meet" in Västerås sagen, die unsere heutige "Kultur" repräsentieren? (Das Power Meet ist ein Treffen motorisierter Pferdestärken - nomen est omen.)
Würde es helfen, wenn die Medien unserer Zeit jährlich einmal genauso viel über diesen kulturellen Schatz schrieben, wie man über den Arosfestival schreibt? (Der Arosfestival ist ein mehrtägiger Kirtag.)
Würde es helfen, wenn unsere Politiker genauso viele Steuergelder für traditionale Kultur ausgeben würden, wie man für Werbung und Polizeibewachung diverser Arrangements spendiert? Man sollte wenigstens erwarten können, dass ein täglicher Bus nach Ängsö fährt, sodass Menschen ohne Auto nicht das Fahrrad nehmen müssen ...

Oder ist es für den Durchschnittseinwohner dieser Welt wirklich so egal, einen Einblick in die Geschichte zu bekommen, zu sehen wie Carl Fredrics Schlafzimmer vor einem Viertel Millennium ausgesehen hat? Ist der neueste Kinofilm mit amerikanischer Gehirnwäsche so viel wichtiger, als einen Teil unserer gemeinsamen Geschichte verstehen zu lernen?

Ich selbst bedaure, dass die Zeit so schnell vergeht und dass mir nicht mehr zur Verfügung steht, aber es ist relativ weit nach Hause und ich habe auf dem Heimweg Gegenwind ... Ich sehe mir auf jeden Fall noch eine alte Garerobe an, mit eingebauten Schränken, die man versiegelte, wenn man einmal über längere Zeit wegfuhr.

Ich sehe auch eine Kopie von Carl Pipers zusammenklappbarem Feldbett, das vor 300 Jahren auch ein wenig Bequemlichkeit bot, sogar wenn man auf Kriegszug war. Zwei grüne Kachelöfen, auch sie aus der Mitte des 18. Jhd., hergestellt von Anders Wadsten aus Västerås, sorgten für die Wärme und die Bequemlichkeit im Schloss.
Und ich werde von der Wahrsagerin bezaubert, die in dem Saal sitzt, der einmal Carl Fredrics Bibliothek war. Heute dient der ganze Raum einer Ausstellung über Spuk. Ich werfe einen schnellen Blick auf einen alten Artikel, der beschreibt, wie man Verstorbene daran hindern kann, nach ihrem Tod herumzuwandern. Die Sohlen der Socken zusammenzunähen oder die großen Zehen zusammenzubinden schienen probate Mittel gewesen zu sein.
Ich lese auch über Earl James Hepburn of Bothwell, der Geliebte Maria Stuarts, der 1566 im Verlies von Malmöhus gefangen gehalten wurde. Jede Nacht erschien eine Geisterkatze aus der Wand und suchte ihn heim. Er beklagte sich darüber, wurde aber von seinen Gefängniswärtern logischerweise nicht erhört. Schließlich kam Bothwell um den Verstand.

Natürlich könnte man die ganze Geschichte damit erklären, dass Bothwell langsam verrückt geworden war und dass die Erscheinungen ein erstes Stadium seiner Geisteskrankheit waren.
Interessant ist jedoch, dass man viel später, als man die Mauern des Gefängnisses niederriss, dahinter wirklich das Skelett einer Katze fand ...

Nun, ich besuchte Engsö schließlich am helllichten Tag, daher ist es vielleicht nicht so verwunderlich, dass ich keinen Spuk gesehen habe, abgesehen von dem hier links, der mich aber ziemlich manierlich im Restaurant begrüßt hatte.

Tatsache aber ist, dass das Unwetter, das sich zusammengebraut hatte, als ich kam, jetzt wieder verschwunden ist und dass mich blauer Himmel und Sonnenschein auf meiner Heimfahrt begleiten. Ob das nun reiner Zufall ist, oder ob die Geister Engsös dazuhelfen, weil es mir in ihrem Schloss so gut gefallen hat, mag jeder für sich entscheiden. Ich verspreche aber, dass ich bald wieder zurückkommen werde, um mehr über die Gespenster zu erfahren und um nocheinmal mit Carl Fredric diskutieren zu können. Ich bin sicher, dass er mir noch allerlei zu erzählen hat.


Bernhard Kauntz, Västerås 2005


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last update: 6.7.2005 by webmaster@werbeka.com