Wien 1., Die St. Anna-Kirche


Die Annakirche liegt in der Annagasse in der Wiener Innenstadt, eine recht schmale Gasse, die es mehr oder weniger unmöglich macht, ein gutes Foto von der Außenseite zu machen. Die Kirche ist nicht freistehend, sondern mit den angrenzenden Häusern verbunden.
Die Geschichte der Kirche geht weit zurück. Schon vor 700 Jahren, 1415, kaufte Elisabeth Wartenauer ein Grundstück, das von der Johannesgasse über die Kärntnerstraße bis zur Annagasse reichte. Drei Jahre später entstand auf Frau Wartenauers Wunsch eine Stiftung, die auf diesem Platz ein "Pilgramhaus" verwalten sollte. Dort soll es auch schon einfache Seelsorge gegeben haben.
Aber es dauerte noch 100 Jahre, bis 1513, bevor man mit einem eigentlichen Kirchenbau begann. Dies war die Vorgängerkirche der heutigen. Fünf Jahre später wurde die Kirche am Anna-Tag geweiht. Der Tag der Anna ist heute noch der 26. Juli.
Nach der Türkenbelagerung blieben die Pilger jedoch plötzlich aus und das Pilgramhaus stand leer.
Deshalb wurden Kirche und Haus den Schwestern des Klarissenordens geschenkt. Aber auch dieser Orden starb 1572 aus. Im Jahr darauf wurden die Jesuiten verpflichtet, in der Annakirche Gottesdienste abzuhalten. Neun Jahre später erhielt dieser Orden Kirche und Kloster als Besitz.
Kurz nach 1630 wurde die alte, gotische Kirche umgebaut, jetzt in frühbarockem Stil. Der Hochaltar wurde ersetzt und Seitenkapellen eingebaut. Aber es blieb die einschiffige Kirche, die wir heute noch sehen. Nach drei Jahren Bauzeit konnte die neue Kirche eingeweiht werden. Man weiß nicht genau, wann der Turm gebaut wurde, sondern nur, dass er 1724 schon bestand.
1696 ersetzte man die Annakapelle mit einer Franz-Xaver-Kapelle, die 1709 mit Stuckdekor und neuen Fresken ausgestattet wurde. 1716 erhielt Christoph Tausch den Auftrag, den Innenraum in hochbarockem Stil neu zu gestalten. Nun erhielt die Kirche im Prinzip ihr heutiges Aussehen.
Am 25. Juni 1747 zerstörte ein Blitz den Turm und das Bild am Hochaltar. Der Rest der Kirche blieb bestehen, war aber vom Rauch verunstaltet. Im Jahr darauf wurde der Turm aber wieder neu gebaut und noch zwei Jahre später der Innenraum restauriert. Das neue Altarbild wurde von Daniel Gran gemalt.
Dieser Barockmaler hat unter anderem auch Fresken im Prunksaal der Nationalbibliothek, sowie im Stift Klosterneuburg erschaffen und zwei Seitenaltarbilder in der Karlskirche gemalt. Gegen Ende seiner Laufbahn verlor sein Werk mehr und mehr an barocken Eigenschaften und wurde strenger - er wurde ein Vorgänger des Klassizismus. Auch die Gewölbefresken im Langhaus der Annakirche stammen von ihm. Im Bild rechts sehen wir die "Glorie der heiligen Anna", das Fresko über dem Hochaltar. Die beiden anderen Fresken zeigen die "Glorie der Gottemutter mit dem Sturz der Engel" (was nun das Eine mit dem Anderen zu tun hat?) über dem zentralen Raum, beziehungsweise über der Orgelempore die "Sendung Christi und die Erlösung der Welt".
1773 wurde der Jesuitenorden vorübergehend aufgelöst und Weltgeistliche (also keine Klosterbrüder) versahen ab 1775 den Gottesdienst. 1906 ging der Besitz der Kirche an die Kongregation der Oblaten des heiligen Franz von Sales über.
Die Kirche wurde mehrere Male restauriert, zum bisher letzten Mal 2003 bis 2005.

Sie besteht nur aus einem Langhaus, ohne Querschiff. Es gibt jedoch je drei Seitenkapellen, die Anna, Josef, Maria, Ignatius, Sebastian und Stanislaus Kostka gewidmet sind. Davon ist natürlich die Annakapelle am wichtigsten und daher größer als die anderen. Sie wurde zum ersten Mal schon 1633 erwähnt, wurde aber von den Jesuiten 1696 in eine Franz Xaver-Kapelle umgebaut. Im 19. Jahrhundert erhielt Anna jedoch ihre Kapelle zurück. Allerdings zeigen die Wandbemalung, sowie das Deckenfresko Bilder, die auf Franz Xaver bezogen sind, hauptsächlich auf seine Missionstätigkeit. Auch auf dem Altartisch gibt es ein Bronzerelief, das den Missionar bei der Heidentaufe zeigt. Auf Anna deutet eigentlich nur die Holzskulptur, die "Anna Selbdritt" zeigt. Der Ausdruck "Anna Selbdritt" bedeutet, dass es eine Abbildung der Anna mit ihrer Tochter Maria und ihrem Enkel Jesus ist. Die Statue entstand um 1505 und ist dem Umkreis von Veit Stoß zugeschrieben.

Veit Stoß war ein spätgotischer Bildhauer, dessen Hauptwerk wohl der Hochaltar in Krakau ist, der zu dieser Zeit das größte Triptychon der Welt besaß. Nach Nürnberg zurückgekehrt, wurde er von Kaufmann Starzedel betrogen und revanchierte sich durch die Fälschung des Siegels und der Unterschrift des Betrügers. Allein, es war Stoß, der für die Urkundenfälschung gebrandmarkt und ins Gefängnis geworfen wurde ...

In der Josefskapelle (Bild rechts) zeigt das Altarbild Josef, der mit Hilfe des Christuskindes einem Pilger einen Brief ausstellt. Das Bild wurde 1719 von Johann Georg Schmidt gemalt. Dieser ist jedoch nicht mit dem "Kremser Schmidt" zu verwechseln, der ein paar Jahrzehnte später gelebt hat.
Die vergoldeten Figuren sollen laut Beschreibung der Kirche die Heiligen Karl Borromäus beziehungsweise Rochus darstellen. Während Borromäus mit dem Erzbischofskreuz ausgestattet ist, hat Rochus weder Hund, Pilgerstab oder Pestknie als Attribut.

Allerdings sind beide Pestheilige, aber ich frage mich, ob das wirklich für die Zuordnung reicht? Ein Kreuz ist wohl ein zu allgemeingültiges Attribut.
Der Chorraum ist vom Rest der Kirche durch eine Art Triumphbogen abgeteilt, dessen linken Teil eine Skulptur von Anna und Maria bildet. Der rechte Teil besteht aus der Kanzel, die im 18. Jahrhundert gebaut wurde. Die Illusion wird von der bogenförmigen Bemalung des Gewölbes noch unterstrichen, die gleichzeitig die beiden vorderen Deckenfresken trennt.
Der Hochaltar (siehe Bild oben) wurde 1716 von Christian Tausch erschaffen. Er schließt den Kirchenraum vollkommen ab. Das Altarbild von Daniel Gran stellt die Verwandtschaft der heiligen Familie dar. Die beiden Skulpturen an den Seiten des Bildes zeigen König David beziehungsweise Abraham und Isaak.

Bernhard Kauntz, Wolvertem 2011


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Seite erstellt am 5.10.2011 by webmaster@werbeka.com